Fernsehaufnahmen der von Nordkorea abgefeuerten Langstreckenrakete ©Reuters

Trotz massiver internationaler Kritik hat Nordkorea am Sonntag eine Langstreckenrakete gestartet. Diese sei wie angekündigt um etwa 01.30 Uhr MEZ abgehoben, teilte das südkoreanische Verteidigungsministerium mit. Der japanische Sender NHK berichtete ebenfalls von dem Start, die Rakete sei demnach über die südliche japanische Insel Okinawa in Richtung Pazifischer Ozean geflogen. Japans Militär habe nicht versucht, sie abzufangen.

Wie die nordkoreanische Raumfahrtbehörde laut Staatsmedien mitteilte, habe die Rakete den Satelliten Kwangmyŏngsŏng-4 (Leuchtender Stern) erfolgreich auf eine Erdumlaufbahn gebracht. Nordkorea hatte den Raketenstart vorverlegt, ursprünglich war ein Fenster zwischen dem 8. und 25. Februar vorgesehen. 

Südkorea, die USA und Japan befürchten, dass die Führung in Pjöngjang vor allem die Technologie atomar bestückter Interkontinentalraketen testen will. Nordkorea könnte eine derartige Rakete mit einem atomaren Sprengkopf bestücken und wäre damit in der Lage, neben Südkorea und Japan auch die Westküste der USA anzugreifen. Nordkorea argumentiert dagegen, es habe als souveräner Staat das Recht, ein Weltraumprogramm zu verfolgen.

Die drei Länder beantragten wegen des Raketenstarts eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York, die am Sonntagvormittag 11.00 Uhr (Ortszeit 17.00 Uhr MEZ) stattfinden soll. Südkorea kündigte zudem Gespräche über die Aufstellung von US-Abwehrsystemen an. Die Regierungen in Seoul und Washington hätten sich auf Verhandlungen über eine Stationierung des Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea geeinigt. Es gehe darum, die Verteidigungsmöglichkeiten angesichts einer zunehmenden Bedrohung aus Nordkorea zu stärken.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Raketenstart: "Das Land hat sich damit erneut über die Warnungen der internationalen Gemeinschaft hinweggesetzt", sagt Steinmeier.

Er nannte den Start eine "verantwortungslose Provokation, die völkerrechtlich bindende Resolutionen des VN-Sicherheitsrats missachtet und die regionale Sicherheit zum wiederholten Male aufs Spiel setzt". Diese offene Herausforderung der Weltgemeinschaft durch Nordkorea dürfe nicht ohne spürbare Konsequenzen bleiben

Frankreich und Großbritannien fordern Konsequenzen

Auch Großbritannien drohte Nordkorea mit Konsequenzen. Die politische Führung sei sich bewusst, dass es damit mehrere UN-Sicherheitsratsresolutionen verletzt habe, sagte ein Sprecher des Londoner Außenministeriums. "Wir werden mit unseren Verbündeten und Partnern zusammenarbeiten, um eine robuste Antwort sicherzustellen", fügte er hinzu, ohne allerdings Einzelheiten zu nennen. Man werde Nordkorea deutlich machen, dass solche Aktionen das Land nur weiter isolieren.

Ähnlich äußerte sich auch Frankreich: Der Start verletze Resolutionen des UN-Sicherheitsrates und sei einen Monat nach dem jüngsten nordkoreanischen Atomtest eine "sinnlose Provokation", hieß es aus dem Élysée-Palast in Paris. "Frankreich fordert heute im Sicherheitsrat eine schnelle und harte Reaktion der internationalen Gemeinschaft."


Die USA und China kritisieren den Start

Die USA bezeichneten den Raketenstart als "destabilisierend, provokativ und flagrante Verletzung" zahlreicher UN-Resolutionen. Außenminister John Kerry sagte, die USA würden mit ihren Partnern und Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates weiter an "bedeutenden Maßnahmen" arbeiten, um Nordkorea zur Rechenschaft zu ziehen.

Die USA drängen China, schärferen Sanktionen gegen Nordkorea zuzustimmen, dessen Rückhalt bei der Führung in Peking seit geraumer Zeit schwindet. Der größte Wirtschaftspartner des Landes hatte mehrfach vergeblich zur Zurückhaltung aufgefordert. Nach dem Raketenstart sprach Chinas Regierung über die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua von "Bedauern". 

Kritik auch aus Russland und Japan

Russland verurteilte den Start der Langstreckenrakete als Verstoß gegen internationale Vereinbarungen. "Solche Handlungen führen zu einer Verschärfung auf der koreanischen Halbinsel und im Nordosten Asiens", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Moskau. "Wir sind gezwungen festzustellen, dass Nordkorea ein weiteres Mal internationales Recht provokativ missachtet hat."

Der japanische Ministerpräsident Shinzō Abe kritisierte den Raketenstart scharf.  "Wir können das absolut nicht erlauben", sagte Abe. Zudem kündigte Abe Maßnahmen zum Schutz der japanischen Bevölkerung an.

Am 6. Januar hatte Nordkorea die Zündung einer Wasserstoffbombe verkündet und damit weltweit Empörung hervorgerufen. Der vierte Atomwaffentest Nordkoreas seit dem Jahr 2006 war vom UN-Sicherheitsrat scharf verurteilt worden. Atomexperten und die US-Regierung bezweifelten allerdings, dass es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte. Die Explosion sei dafür nicht stark genug gewesen.

Raketenstart - Nordkorea will Satelliten ins All schießen Nordkorea hat angekündigt, im Februar einen Satelliten ins All zu schießen. Südkorea zeigte sich besorgt über die Pläne, der Veteidigungsminister versetzte die Armee in Alarmbereitschaft.