Kim Jong Un hat es mit seinen Machtdemonstrationen eilig: erst der Atomtest im Januar, nun der Test einer Langstreckenrakete kaschiert als Teil des nordkoreanischen Satellitenprogramms. Der UN-Sicherheitsrat tagt, die Mitglieder des höchsten Gremiums der Vereinten Nationen monieren eine eklatante Verletzung der Resolutionen, die Nordkorea die Nutzung ballistischer Raketen verbieten. 

Davon lässt sich der junge nordkoreanische Diktator aber nicht beeindrucken. Ihm geht es um seine eigene Macht, um eine Demonstration der Stärke rechtzeitig vor dem Parteitag seiner Regierungspartei im kommenden Mai. All die Tests sollen sein Gewaltregime absichern – nach innen wie nach außen. 

Die Nordkoreaner wähnen sich dabei recht sicher in ihrem Treiben. Ein wirklich hartes Sanktionsregime der internationalen Gemeinschaft droht ihnen nicht. China wollte es bislang nicht mittragen. Das KP-Regime in Peking ist bis heute Verbündeter Nordkoreas: Man will keinen Ärger an der gemeinsamen Grenze und ein möglicher Zusammenbruch des Kim-Staates würde womöglich den US-Partner Südkorea bis an China heranreichen lassen.

Ausgerechnet zum Neujahrsfest

Die Militarisierung Nordostasiens schreitet nun auf jeden Fall weiter voran. So will Südkorea Gespräche mit den USA über die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems aufnehmen. China und auch Russland werden darüber nicht begeistert sein. Sie sind strikt gegen die US-Abwehr in ihrem Einflussbereich.

Was die Außenpolitiker in Peking aber besonders ärgern wird, ist der Zeitpunkt des Raketenstarts: ausgerechnet zum chinesischen Neujahrsfest. Mehrfach hatten sie Kim Jong Un zur Zurückhaltung aufgefordert – vergeblich. Kürzlich erst war Pekings wichtigster Nordkorea-Politiker Wu Dawei in der Hauptstadt des kleinen Nachbarn, um den Raketenabschuss zu verhindern.

Mit der Beschwichtigungspolitik ist China also am Ende. Jetzt wäre die Gelegenheit zu einem diplomatischen Wandel. Jetzt könnte China der wirtschaftlichen Größe auch mehr Verantwortung auf dem politischen Parkett folgen lassen und endlich schärfere Sanktionen gegen Nordkoreas Regime mittragen. Zum Beispiel solche, die die Generäle und Funktionäre in Pjöngjang stärker vom internationalen Finanzwesen abschneiden.

Zumindest Kim Jong Un und seine Machtclique scheinen damit aber nicht zu rechnen. Sie gehen davon aus, von Peking auch künftig in Ruhe gelassen zu werden. Und haben deswegen auch gleich die Fortsetzung des Satellitenprogramms angekündigt.