Südkorea hat wegen eines nordkoreanischen Patrouillenbootes an der Grenzlinie im Gelben Meer Warnschüsse abgegeben. Wie das Verteidigungsministerium in Seoul mitteilte, fuhr das Boot aus dem Norden südlich der umstrittenen Demarkationslinie nahe der südkoreanischen Insel Socheong. Daraufhin seien fünf Schüsse ins Wasser abgegeben worden. Knapp 25 Minuten später hätten sich die Nordkoreaner zurückgezogen, teilte der Generalstab der südkoreanischen Armee mit.

Der Grund für die angebliche Grenzverletzung blieb unklar. Nicht selten überqueren Patrouillenboote des Nordens auch bei der Kontrolle von Fischkuttern die Seegrenze. An der nördlichen Begrenzungslinie gab es deshalb bereits mehrere Auseinandersetzungen. Nordkorea stellt die als Northern Limit Line bezeichnete De-facto-Seegrenze vehement infrage. Sie wurde nach dem Koreakrieg in den Jahren 1950 bis 1953 von den Vereinten Nationen festgelegt.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist nach einem neuen Atomtest Nordkoreas im Januar und einem Raketentest des Landes am Wochenende sehr angespannt. Nach nordkoreanischen Angaben brachte eine Trägerrakete einen Satelliten zur Erdbeobachtung auf seine Umlaufbahn. Die internationale Gemeinschaft sieht darin jedoch den verdeckten Test einer militärischen Langstreckenrakete.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Raketenstart in einer Dringlichkeitssitzung scharf und kündigte eine weitere Resolution gegen das weitgehend isolierte Land an. Die US-Botschafterin bei den UN, Samantha Power, rief insbesondere China auf, sich "harten beispiellosen Maßnahmen" anzuschließen. Die Sanktionen müssten rasch ergriffen werden und die Erwartungen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un übersteigen.