Polens Expräsident Lech Wałęsa hat den Vorwurf zurückgewiesen, er habe mit dem polnischen Geheimdienst SB zusammengearbeitet. Zugleich räumte er ein, einen Fehler begangen zu haben. "Ich habe nicht mit dem Sicherheitsdienst kooperiert, ich habe kein Geld angenommen, aber ich habe einen Fehler gemacht", schrieb Wałęsa in seinem Mikroblog. Er habe aber sein Wort gegeben, nicht darüber zu berichten. "Der Mann, der Täter, der die Wahrheit aufklären kann, lebt noch und ich zähle auf ihn."

Am Donnerstag hatte das für die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit zuständige Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) mitgeteilt, es lägen Dokumente vor, die eine Zusammenarbeit Wałęsas mit dem Geheimdienst belegen würden. Neben einer Personalakte und einer Verpflichtungserklärung lägen auch Quittungen über Honorarzahlungen an den SB-Mitarbeiter mit dem Tarnnamen Bolek vor. Die Unterlagen stammten aus den Jahren 1970 bis 1976.

Am Donnerstagabend hatte der Direktor des IPN, Łukasz Kamiński, die Reichweite des Fundes eingeschränkt. Ein authentisches Dokument des Geheimdienstes bedeute nicht, dass der Inhalt wahr sei, sagte Kamiński dem Nachrichtensender TVN24. "Jedes historische Dokument muss verifiziert werden."

Wałęsa war in kommunistischer Zeit Anführer der Gewerkschaft Solidarność. Von 1990 bis 1995 war er der erste demokratisch gewählte Präsident Polens. Eine Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst hatte Wałęsa stets bestritten. Entsprechende Dokumente hatte er als Fälschung bezeichnet. Im Jahr 2000 war Wałęsa schließlich von einem Gericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden.

Wałęsa gilt als Kritiker der seit Oktober regierenden neuen nationalkonservativen Regierung und des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński. Im Dezember hatte er angesichts der gesellschaftlichen Spannungen vor einem "Bürgerkrieg" in Polen gewarnt.