Der ehemalige Guerillakämpfer Hashim Thaçi ist zum neuen Präsidenten des Kosovo gewählt worden. Der 47-Jährige erhielt im Parlament im dritten Wahlgang 71 Stimmen. Das sind zehn mehr als notwendig, wie die Wahlkommission  mitteilte. Überschattet wurde die Wahl von Störaktionen im Parlament. Auch vor dem Gebäude gab es gewaltsame Proteste. Kritiker bezeichnen den bisherigen Außenminister Thaçi als machthungrig und korrupt.

In den ersten beiden Wahlgängen hätte Thaçi eine Zweidrittelmehrheit von 80 Stimmen benötigt. Er erreichte im ersten Wahlgang aber nur 50 und im zweiten 64 Stimmen. Sein Gegner Rafet Rama kam auf vier beziehungsweise zwei Stimmen. Die übrigen Stimmen wurden für ungültig erklärt. Im dritten Wahlgang war dann nur noch die absolute Mehrheit nötig. Falls die Wahl gescheitert wäre, hätte das Parlament aufgelöst und neu gewählt werden müssen.

Thaçi tritt die Nachfolge von Atifete Jahjaga an. Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre. Wie von der Verfassung vorgeschrieben, trat er von seinem Amt als Vorsitzender der Demokratischen Partei des Kosovo zurück.

Tränengas, Pfefferspray, Pfeifen

An der Wahl nahmen nur 81 der 120 Abgeordneten teil. Die Opposition hatte den Saal verlassen. Zuvor war von ihren Sitzen aus Tränengas versprüht worden. Sechs Oppositionsabgeordnete wurden wegen Störung der Parlamentssitzung suspendiert. Einer von ihnen, der angeblich einen Tränengaskanister öffnete, wurde von der Polizei festgenommen.

Es war nicht die erste derartige Störaktion im Parlament des Kosovos. Seit September hat die Opposition immer wieder Parlamentsdebatten mit Tränengas, Pfefferspray, Pfeifen und Wasserflaschen unterbrochen. Sie ist vehement gegen ein Abkommen mit Serbien, das der serbischen Minderheit im Kosovo mehr Autonomie gewährt. Zudem lehnt sie einen Vertrag mit Montenegro über die Grenzziehung zwischen den beiden Nachbarstaaten ab.

Thaçi hatte die Kämpfer des Unabhängigkeitskriegs gegen Serbien 1998 bis 1999 angeführt. 2010 wurde er in einem Bericht des Europarats erwähnt. Darin wurden Thaçi und andere Anführer der inzwischen aufgelösten Kosovo-Befreiungsarmee für den Tod von Hunderten Menschen verantwortlich gemacht, die einer Zusammenarbeit mit Serben verdächtigt wurden. Thaçi bestreitet die Vorwürfe. Das Kosovo hatte sich 2008 für unabhängig erklärt, was Serbien nicht anerkennt. Viele führende Vertreter der Opposition waren während des Krieges Partner von Thaçi, wandten sich aber später gegen ihn.

Mehrere Hundert Demonstranten kampierten auf dem wichtigsten Platz in Prishtinë. Visar Ymeri von der oppositionellen Partei der Selbstbestimmungsbewegung rief Anhänger auf, sich dem Protest anzuschließen, um Thaçis Wahl abzulehnen. Sie sollten bis zum Rücktritt der Regierung protestieren, forderte er.