Samantha Power, US-Botschafterin bei der UN, der japanische UN-Botschafter Motohide Yoshikawa und Südkoreas Botschafter Oh Joon in New York (v.l.n.r.) © Jason Szenes/dpa

Nordkorea hat sich mit dem Test einer Langstreckenrakete weiter international isoliert. Der Weltsicherheitsrat verurteilte den Raketenstart, mit dem laut nordkoreanischer Propaganda ein Beobachtungssatellit in eine Erdumlaufbahn befördert wurde. Das höchste Gremium der Vereinten Nationen (UN) kündigte an, es werde sehr schnell eine Resolution mit weiteren schwerwiegenden Sanktionen gegen Nordkorea folgen.

Mit dem Raketenstart habe Nordkorea seinen Plan bekräftigt, ballistische Raketentechnologie zu entwickeln, befand der Sicherheitsrat. Selbst wenn der Test als "Satellitenstart oder Start eines Raumfahrzeugs" deklariert werde, trage er doch zur Entwicklung von Trägersystemen für Atomwaffen bei, hieß es weiter.

Das südkoreanische Militär schätzte die Reichweite der Trägerrakete auf bis zu 13.000 Kilometer. Der südkoreanische Geheimdienst erklärte aber auch, dass der ausgesetzte Satellit wohl nur 200 Kilogramm Gewicht und kaum Nutzen habe.

Der Sicherheitsrat verwies darauf, dass der Einsatz ballistischer Raketentechnologie Nordkorea durch Resolutionen untersagt worden sei. Er sei dennoch entschlossen, "weiter für eine friedliche, diplomatische und politische Lösung der Lage zu arbeiten, die zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel führt".

USA und China verhandeln über Resolution

Der japanische UN-Botschafter Motohide Yoshikawa sagte unmittelbar vor Beginn der Sicherheitsratssitzung, die von Nordkorea abgefeuerte Rakete sei über Japan hinweggeflogen und nahe den Philippinen abgestürzt. Dies sei "eine klare Bedrohung der Leben vieler Menschen" gewesen.

Die USA und China haben bereits die Arbeit an einer neuen Resolution aufgenommen, die weitere Sanktionen gegen das isolierte kommunistische Land enthalten soll. Südkorea kündigte an, mit der Regierung in Washington über die Aufstellung des US-Raketenabwehrsystems THAAD zu verhandeln. Zudem will die Regierung in Seoul weitere Arbeiter aus dem gemeinsamen Industriepark Kaesŏng abziehen.

China, der Hauptverbündete von Nordkorea, bedauerte den Raketentest. Zwar sollte Nordkorea ein Recht auf eine friedliche Nutzung des Weltraums haben, doch derzeit sei dieses Recht eingeschränkt durch Resolutionen des UN-Sicherheitsrates, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking.

Auch Großbritannien, Frankreich und die Ukraine forderten die schnelle Verhängung weiterer Sanktionen gegen Nordkorea. Russland kritisierte den Test ebenfalls und erklärte, Pjöngjang habe damit erneut seine Missachtung des internationalen Rechts gezeigt. 

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte den Raketenstart als "verantwortungslose Provokation, die völkerrechtlich bindende Resolutionen des UN-Sicherheitsrats missachtet" und die regionale Sicherheit aufs Spiel setze. "Diese offene Herausforderung der Weltgemeinschaft durch Nordkorea darf nicht ohne spürbare Konsequenzen bleiben."

Weitere Raketenstarts geplant

Nordkorea hatte vor wenigen Tagen den Raketenstart angekündigt. Weniger als zehn Minuten nach dem Start einer Trägerrakete sei der neue Erdbeobachtungssatellit Kwangmyŏngsŏng 4 (Leuchtender Stern 4) in die Erdumlaufbahn eingetreten. Es würden weitere Starts folgen, hieß es im Staatsfernsehen. Ein US-Regierungsvertreter erklärte indes, es lasse sich erst in Tagen ermitteln, ob der Raketenstart geglückt sei.

Seit seiner Machtübernahme Ende 2011 hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un drei Tests mit Langstreckenraketen befehligt. Zuletzt hatte das kommunistische Land im Dezember 2012 nach etlichen Fehlschlägen eine solche Rakete erprobt, die auch die USA erreichen könnte.