Kämpfer der syrischen Opposition in einem Dorf nahe Aleppo ©Mustafa Sultan /Anadolu Agency/Getty Images

Auch wenige Tage vor dem geplanten Start einer Waffenruhe für Syrien wird in der Provinz Aleppo unvermindert weitergekämpft. Die syrischen Regierungstruppen setzten mit russischer Luftunterstützung ihre Offensive im Norden Syriens fort, ebenso wie die kurdischen Milizen, die ihrerseits von der Türkei beschossen wurden. 

Die Kämpfe in und um Aleppo schüren aber Zweifel, ob die in München zwischen mehreren Staaten vereinbarte vorübergehende Waffenruhe auch tatsächlich am Freitag beginnen kann. Die Konfliktparteien versuchten offenbar, in den verbleibenden Tagen sich so viel Territorium wie möglich abzutrotzen.

Regierungsgegner berichteten von schweren syrischen und russischen Bombardements in Hajan, Anadan und Hreitan nördlich der Provinzhauptstadt Aleppo. Die Truppen von Baschar al-Assad rückten nach eigenen Angaben weiter auf Aleppo vor. Eine Einnahme der Großstadt wäre ein schwerer Rückschlag für die Aufständischen.

Schüsse von der Türkei aus

Die sogenannten Syrischen Demokratischen Kräfte – ein Bündnis von kurdischen und arabischen Kämpfern – setzten ganz in der Nähe ihren Vormarsch in Richtung der Grenzstadt Asas fort. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, wurden sie dabei am Samstag und Sonntag von der Türkei beschossen. Zwei Kämpfer des Rebellenbündnisses seien getötet und sieben verletzt worden. 

Die Türkei sieht die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG, die dem Bündnis angehören, als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, mit der sich Ankara seit Monaten auf türkischem Gebiet heftige Kämpfe liefert. Die syrische Regierung rief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf, den "Verbrechen des türkischen Regimes" auf syrischem Boden Einhalt zu gebieten.

"Nur einen einzigen Tag ohne Feindseligkeiten"

Auch Russlands Eingreifen auf Seiten der Regierung hat international weiter Kritik ausgelöst. Riad Hidschab vom Oppositionsbündnis Hohes Verhandlungskomitee forderte, dass der Einigung auf eine Waffenruhe auch Taten folgen müssen, speziell von Seiten der Regierung. "Ich würde gerne nur einen einzigen Tag ohne Feindseligkeiten sehen, um einer politischen Bewegung eine echte Chance zu geben", sagte Hidschab bei der Münchener Sicherheitskonferenz.

Noch ist umstritten, für welche der vielen Konfliktparteien in Syrien die Feuerpause gelten soll. Ob dieses Thema auch bei einem Telefonat zwischen dem russischen Staatschef Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama zur Sprache kam, ist unklar. Vom Kreml hieß es lediglich, beide Präsidenten hätten die Vereinbarung zur Waffenruhe als positive Entwicklung eingestuft und stünden weiter hinter dem Friedensplan für Syrien.