Spielende Kinder im Süden von Syrien © Alaa Al-Faqir/Reuters

Im syrischen Bürgerkrieg gilt seit Freitagabend eine Waffenruhe. Sie trat um Mitternacht Ortszeit nach fast fünf Jahren Bürgerkrieg und mehr als 250.000 Toten in Kraft. Die USA und Russland hatten sich Anfang der Woche auf die Feuerpause geeinigt. Die Regierung, das in der saudischen Hauptstadt Riad ansässige Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der Regimegegner und rund 100 Milizen haben der Waffenruhe zugestimmt. Ausgenommen von ihr sind die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und die Al-Nusra-Front, ein Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Reportern zufolge waren in der syrischen Hauptstadt Damaskus in den drei Minuten vor dem Beginn der Waffenruhe keine Explosionen zu hören. Ein oppositioneller Aktivist sagte, in dem Vorort Ghuta sei es in den frühen Morgenstunden "zum ersten Mal seit Jahren" ruhig geblieben. Ein weiterer Aktivist meldete dagegen aus der Provinz Homs, die Feuerpause habe keine 15 Minuten gehalten. Aus der südsyrischen Stadt Daraa hieß es, intensive Kämpfe hätten um Mitternacht abrupt aufgehört.

Die Waffenruhe soll den Weg ebnen für die Wiederaufnahme der Friedensgespräche am 7 März. Dieses Datum teilte UN-Sondervermittler Staffan de Mistura am Freitag dem Weltsicherheitsrat kurz vor Inkrafttreten der Feuerpause mit. Bedingung sei allerdings, dass die Waffenruhe weitgehend eingehalten werde. Das höchste UN-Gremium verabschiedete am Abend eine Resolution, die die Waffenruhe in Syrien begrüßt und unterstützt.

Regierungstruppen erobern Dörfer zurück

Die syrische Regierung und die wichtigsten gemäßigten Rebellen haben sich zur Einhaltung der Waffenruhe bereiterklärt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die mit Al-Kaida verbündete Nusra-Front und weitere Gruppen sollen von der Vereinbarung ausgenommen bleiben. Russlands Präsident Wladimir Putin versicherte, der entscheidende Kampf gegen diese Organisationen werde fortgesetzt.

Die Syrien-Friedensgespräche waren zuvor Anfang Februar nach nur wenigen Tagen abgebrochen und vertagt worden. Seit 2012 waren zwei ähnliche Verhandlungsrunden in Genf gescheitert.

Die Kämpfe gingen am Freitag noch unvermindert weiter. Regierungstruppen eroberten im Norden der Provinz Aleppo drei Dörfer vom IS zurück. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Dörfer befänden sich in der Nähe der Stadt Chanaser. Diese war vom IS erst am Montag besetzt worden. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, die Regierungstruppen versuchten, die einzige Straße zu öffnen, die die Stadt Aleppo mit Zentral- und Westsyrien verbindet.

Russland wies Vorwürfe von Aktivisten zurück, zivile Gebiete östlich von Damaskus bombardiert zu haben. Putin-Sprecher Dmitri Peskow sagte, es sei nicht das erste Mal, dass die Beobachtungsstelle für Menschenrechte Informationen veröffentliche, die nicht gedeckt seien.

Die Türkei teilte mit, Saudi-Arabien werde sich am Kampf gegen den IS in Syrien beteiligen. Flugzeuge seien am Stützpunkt Incirlik im Süden der Türkei angekommen, sagte der Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Ibrahim Kalin. Wie viele Maschinen dabei sind, sagte er jedoch nicht.

Obama schließt Zukunft mit Assad aus

US-Präsident Barack Obama mahnte ein höheres Tempo im Kampf gegen den IS an. Er habe seinen Nationalen Sicherheitsrat angehalten, die Kampagne "an allen Fronten" zu beschleunigen, sagte er am Donnerstag in Washington. Mit Blick auf die Friedensbemühungen für Syrien sagte er, er erwarte nicht, dass die Feuerpause nach Jahren des Blutvergießens sofort zu einer Einstellung der Feindseligkeiten führen werde. Vielmehr sei der Waffenstillstand ein Test, ob die Konfliktparteien zu breiteren Verhandlungen über einen politischen Übergang, eine neue Verfassung und freie Wahlen bereit seien.

Eine Zukunft Syriens mit Baschar al-Assad als Präsidenten schloss Obama erneut aus. Das politische Schicksal Assads gilt jedoch als ein Hauptreibungspunkt im Streit mit Russland und dem Iran, die den syrischen Staatschef stützen.

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer, forderte für Hilfsorganisationen ungehinderten Zugang zu notleidenden Menschen. In dem Bürgerkriegsland steige der Bedarf an humanitärer Hilfe, sagte Maurer der Nachrichtenagentur AP in Damaskus. Nach UN-Angaben leben fast eine halbe Million Syrer in belagerten Gebieten, schätzungsweise 4,5 Millionen sind mit Hilfe schwer zu erreichen. Der Bürgerkrieg in Syrien dauert schon seit rund fünf Jahren an, dabei sind mehr als 250.000 Menschen getötet worden.