Eine Anwohnerin verlässt im Januar 2016 Diyarbakır nach Kämpfen zwischen türkischen Truppen und kurdischen Milizen. © Sertac Kayar/Reuters

Trotz internationaler Appelle will die Türkei ihre Angriffe auf kurdische Stellungen in Nordsyrien fortsetzen. Das kündigte der türkische Regierungschef Ahmet Davutoğlu in einem Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Er sagte der deutschen Regierungschefin, die Türkei werde es nicht zulassen, dass die kurdische Partei Demokratische Union (PYD) aggressiv vorgehe, teilte Davutoğlus Büro mit.

Die kurdischen Kämpfer in Syrien seien mit russischer Unterstützung vorgerückt, sagte Davutoğlu weiter. Deren Ziel sei es, Hunderttausende syrische Zivilisten in der Grenzregion in die Flucht zu treiben und eine neue humanitäre Krise auszulösen, die nicht nur die Türkei, sondern auch die EU betreffen werde. "Unsere Sicherheitskräfte haben die notwendige Antwort gegeben und werden dies weiter tun", sagte Davutoğlu Merkel.

Die Syrien-Kontaktgruppe hatte sich in München in der Nacht zu Freitag auf eine Feuerpause in Syrien verständigt, die binnen einer Woche in Kraft treten soll. Der Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) und andere radikale Gruppen soll aber fortgesetzt werden. Die türkischen Angriffe auf kurdische Kämpfer verstärkten die Angst vor einer Eskalation.

Weiter verschärfen könnte sich der Konflikt zudem durch die Entsendung von türkischen und saudi-arabischen Bodentruppen. In den kommenden Tagen würden Militärexperten die Einzelheiten des Einsatzes festlegen, sagte der saudische Brigadegeneral Ahmed Assiri. Saudi-Arabien habe Kampfflugzeuge in die Türkei verlegt, um die Angriffe auf den IS in Syrien zu verstärken.

Türkei fürchtet Kurdenstaat

Die kurdische PYD und ihr bewaffneter Arm, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), kontrollieren große Teile der kurdischen Siedlungsgebiete im Norden Syriens. Die türkische Armee hatte in den vergangenen zwei Tagen Ziele bei Asas im Norden Syriens beschossen. Dort hatten kurdische Kämpfer mit Unterstützung russischer Kampfflugzeuge einen Militärflughafen von den gegen Präsident Baschar al-Assad kämpfenden Rebellen erobert. Die Türkei verlangt, dass sich die kurdischen Kämpfer von dort zurückziehen. Die Regierung befürchtet, die Kurden könnten in Syrien weiter erstarken und einen autonomen Kurdenstaat an der türkischen Grenze ausrufen.

Für die türkische Regierung ist die YPG ein Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die in der Türkei gegen den Staat und für mehr Autonomierechte der Kurden kämpft. Für die westlichen Staaten hingegen sind die kurdischen Milizen in Syrien wichtige Verbündete im Kampf gegen den IS. Washington unterstützt die PYD und die YPG militärisch, die in der Allianz Syrische Demokratische Kräfte mit arabischen Rebellen zusammengeschlossen ist. Die USA und Frankreich riefen die Türkei auf, die Angriffe auf kurdische Stellungen zu beenden.