Die türkischen Streitkräfte haben Meldungen über Angriffe auf Kurden in der nordsyrischen Provinz Aleppo bestätigt. Das Militär habe Ziele nahe der Stadt Asas mit Artillerie beschossen, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu Militärkreise. Bei einem weiteren Angriff sei der Beschuss eines türkischen Postens in der südlichen Region Hatay durch syrische Regierungstruppen erwidert worden. Die USA riefen die Türkei zum Stopp der Angriffe auf. Die Regierung in Ankara müsse "den Beschuss beenden", sagte US-Außenamtssprecher John Kirby. Zugleich rief er die Kurden auf, kein Kapital aus den Kämpfen zwischen syrischen Truppen und Rebellen zu schlagen.

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollieren große Teile der kurdischen Siedlungsgebiete im Norden Syriens. Ein Vertreter der Kurden bestätigte den Beschuss der Luftwaffenbasis Minnigh. Die syrischen Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad hatten die Kontrolle über den Flughafen im August 2013 verloren.

Auch die Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die der syrischen Opposition nahesteht, berichtete von Angriffen der Türkei. Ziele seien ein Dorf und ein Luftwaffenstützpunkt gewesen, die zuvor von syrischen Kurden erobert worden seien.

Der Flughafen Minnigh liegt zwischen zwei wichtigen Straßen, die von Aleppo in Richtung Norden nach Asas führen. In dieser Provinz führen syrische Regierungstruppen derzeit eine Offensive mit Unterstützung russischer Luftangriffe durch. Der Süden der Türkei grenzt zu Syrien an Gebiete der Kurden, syrischer Rebellen und des "Islamischen Staats".

Angriffe waren angedroht

Kurz bevor die Syrische Beobachtungsstelle über den türkischen Einsatz berichtete, hatte der türkische Regierungschef Ahmet Davutoğlu den syrischen Kurden mit Angriffen gedroht: Die türkische Luftwaffe sei in Syrien zu den gleichen Aktionen in der Lage wie im Nordirak, wo sie immer wieder PKK-Stellungen bombardiert. Davutoğlu forderte, die Gruppe solle sich aus dem Gebiet bei Asas zurückziehen.

Zwischen den USA und der Türkei gibt es Streit über die Rolle der Kurden im syrischen Bürgerkrieg. Washington unterstützt die Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihren bewaffneten Arm YPG militärisch.

Für die US-Amerikaner sind die Kurden wichtige Verbündete im Kampf gegen den "Islamischen Staat" in Syrien. Aus Sicht der türkischen Führung sind die PYD und die YPG hingegen "terroristische Organisationen" und stehen auf einer Stufe mit der von ihr bekämpften Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Assads Truppen kommen Aleppo näher

Ungeachtet der Friedensbemühungen für Syrien treiben die Regierungstruppen ihre Offensive bei Aleppo voran. Soldaten von Präsident Baschar al-Assad eroberten am Samstag ein weiteres Dorf im Norden des Landes. Dies meldeten sowohl das syrische Staatsfernsehen als auch die Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Aleppo: Verwüstungen im Bürgerkrieg

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Aleppo, Syrien, Krieg
26. Februar 2013: Seit mehreren Monaten finden in Aleppo schwere Kämpfe statt. Rebellengruppen versuchen, die zweitgrößte Stadt Syriens unter ihre Kontrolle zu bringen. Noch sind die Altstadtbereiche rund um die Zitadelle relativ intakt.
Aleppo, Syrien, Krieg
15. Dezember 2014: Das Satellitenbild zeigt schwere Verwüstungen und Bombenkrater. Südlich und westlich der Zitadelle liegen ganze Gebäudezüge in Schutt und Asche, darunter auch die ehemalige Chusrawiyya-Moschee.

Der libanesische Hisbollah-Sender Al-Manar berichtete, die Truppen stünden nun oberhalb der Orte Hajan und Anadan. Die Hisbollah-Miliz kämpft auf Seiten von Assad. Um die Rebellen von Aleppo vollständig zu umzingeln, müssten die Regierungssoldaten noch mehrere andere Dörfer und Städte einnehmen.