Der jordanische König Abdullah II. hat in München eine Formulierung dafür gefunden, wie manchem die Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende vorkommen mag. Wovor er warnt, ist in allen Konflikten, denen die Weltgemeinschaft beizukommen versucht, leider oft genug der Fall: "Lasst uns vermeiden, wenn wir uns in ein paar Jahren wieder treffen, dass wir über Gefahren diskutieren, die wir hätten verhindern können."

Dabei trifft dieser Satz schon heute ins Mark der Debatten, die das Münchener Treffen dieses Mal bestimmt haben. Im fünften Jahr des Kriegs in Syrien, in dem Hunderttausende gestorben sind und Millionen ihre Heimat verloren haben, sprechen es zwar nicht alle offen aus, aber die meisten wissen: Es ist zu spät. Und der Blick zurück ist der Blick auf das Versagen: "Die Kosten der Tatenlosigkeit waren größer als die Kosten, wenn man etwas unternommen hätte", sagt Anne-Marie Slaughter, Präsidentin der New America Foundation in Washington. "Ich kann mir kein Szenario vorstellen, das schlimmer wäre als die Lage heute."

Gilt dies auch trotz der Einigung der International Syria Support Group kurz vor Beginn der Sicherheitskonferenz? Der Weg zu einer Waffenruhe soll dadurch nun eröffnet sein. Ebenso zur humanitären Versorgung der Zivilbevölkerung, die vielerorts von Regimekräften, ihren iranischen und russischen Waffenbrüdern, von Rebellengruppen wie von den Dschihadisten des "Islamischen Staats" belagert und bombardiert wird. Ein Abkommen, das doch sogar die Chancen auf neue Verhandlungen für einen politischen Übergang verbessern sollte. Es sieht allerdings eher danach aus, dass gerade das Münchner Abkommen den Status quo zementieren könnte.

Die Bevölkerung im Stich gelassen

"Die syrische Bevölkerung ist im Stich gelassen worden von der internationalen Gemeinschaft", sagt Riad Hidschab, Koordinator des Hohen Verhandlungskomitees der syrischen Regimegegner (HNC). Es sei nicht gelungen, die schrecklichen Verbrechen gegen das syrische Volk zu verhindern. 2011 habe US-Präsident Barack Obama gesagt, dass der Diktator Baschar al-Assad, der mit seiner brutalen Reaktion auf friedliche Proteste sein Land in diesen Krieg getrieben hat, seine Legitimität verloren habe. Immer wieder werde das wiederholt. "Doch was sollen wir mit diesen Worten anfangen, mit der Sprache der roten Linien?" Diese seien doch längst überschritten worden mit dem Einsatz von Chemiewaffen. Deren zumindest weitgehende Vernichtung ist ohne Frage ein Erfolg, nur was heißt das schon? Hidschab sagt: "Die Mordwaffe wurde entfernt, aber der Mörder ist immer noch da."

Und der Mörder ist nicht allein. Als Russland vor gut vier Monaten an der Seite Assads in den Krieg eingriff, fiel dem überrumpelten Westen nichts Besseres ein, als die Aussichten auf Erfolg herunterzuspielen: Die überheben sich damit, begeben sich in den gefährlichen Treibsand dieses Konflikts und werden schnell feststellen, dass sie nichts ausrichten können. Vielleicht hat man da noch an die Version geglaubt, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gehe es um die Bekämpfung der terroristischen Bedrohung durch den IS und andere Extremisten. Stattdessen fielen die alles andere als smarten Bomben zwar auch auf Islamisten, trafen aber vor allem die wenigen moderaten Oppositionsgruppen, die dem Regime noch etwas entgegensetzen können, töteten viele Zivilisten, zerstörten Krankenhäuser, Schulen und Hilfskonvois.

Inzwischen ist die Erkenntnis gereift, dass Russland Assad unbedingt halten will. Effektiv hat Moskaus Intervention das Blatt für ihn gewendet und seine Herrschaft über das westsyrische Kerngebiet gefestigt, während der Widerstand in Tausende Splitter zerfällt, das IS-Kalifat dankt und die Flüchtlingsbewegung Europa destabilisiert. Damit hat Putin ein viel größeres Ziel bereits erreicht, wie US-Senator John McCain festhält, der seit vielen Jahren auf der Sicherheitskonferenz für Klartext zuständig ist: Russland habe sich als wichtiger Machtfaktor im Nahen Osten etabliert. "Von ihrem Standpunkt aus gesehen, läuft es ziemlich gut", sagte McCain.