Angesichts der zunehmenden Gewalt in Syrien verschärft sich in Russland der Ton gegen den engen Verbündeten Baschar al-Assad. "Russland hat sich sehr ernsthaft in diese Krise eingebracht, politisch, diplomatisch und zuletzt auch militärisch. Daher wäre es schön, wenn Präsident Assad dies erwidern würde", sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin der Zeitung Kommersant. Der Kurs des syrischen Präsidenten stehe "nicht im Einklang mit Russlands diplomatischen Bemühungen". Assad hatte zuletzt gesagt, er wolle ganz Syrien zurückerobern.

Möglicherweise werde die syrische Armee die Großstadt Aleppo einnehmen, sagte Tschurkin weiter. "Aber wenn sie davon ausgehen, dass sie keine Waffenruhe brauchen, sondern bis zum siegreichen Ende kämpfen wollen, wird dieser Konflikt noch sehr lange dauern." Der UN-Botschafter wies darauf hin, dass vor allem der Einsatz der russischen Luftstreitkräfte es dem syrischen Militär ermöglicht habe, seine Gegner zurückzudrängen.

Vor dem Ende der einwöchigen Frist zur Einstellung der Kampfhandlungen warnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Konfliktparteien vor einer militärischen Lösung. Alle Seiten müssten von der "ruinierenden Logik eines militärischen Siegs" wegkommen, schrieb Ban in einem Bericht an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Fortsetzung der Friedensgespräche "unrealistisch"

Die Syrien-Kontaktgruppe hatte sich am Freitag vergangener Woche in München auf eine Feuerpause in dem Bürgerkriegsland verständigt und dafür eine Frist von einer Woche gesetzt. Die Kämpfe aber dauern an. Ban mahnte die Umsetzung der Vereinbarung an und erinnerte daran, dass im Syrien-Konflikt bereits Hunderttausende Menschen getötet worden seien. Der Bürgerkrieg sei "die schlimmste humanitäre Krise unserer Zeit".

Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura rechnet nicht mehr mit einer Fortsetzung der Friedensgespräche in der kommenden Woche. Der angesetzte Termin für weitere Verhandlungen im Genf ab dem kommenden Donnerstag sei inzwischen "unrealistisch", sagte de Mistura.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief die Konfliktparteien in Syrien zur baldigen Einhaltung der vereinbarten Feuerpause auf. Es müssten "endlich konkrete Fortschritte hin zu einer Einstellung der Kampfhandlungen" erreicht werden. Der Außenminister fügte hinzu: "Ich hoffe, dass es gelingt, sich zumindest im ersten Schritt auf Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu einigen – so dass dort, wo Krankenhäuser, Schulen und Flüchtlingslager sind, nicht mehr bombardiert wird." Erst vor wenigen Tagen waren bei Bombenangriffen auf Krankenhäuser mindestens 50 Menschen getötet worden, unter ihnen auch viele Kinder.