Die um Mitternacht in Kraft getretene Feuerpause im Bürgerkriegsland Syrien wird offensichtlich weitgehend eingehalten. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, seit Mitternacht seien auch keine russischen Kampfjets mehr im Norden Latakias gesichtet worden. In den Provinzen Homs und Hama sei es ruhig, berichtete die Organisation mit Sitz in Großbritannien, die sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien stützt.  Der UN-Sicherheitsrat begrüßte den Waffenstillstand.

Laut dem Syrien-Sondergesandten der Vereinten Nationen, Staffan de Mistura, ließen erste Berichte darauf schließen, dass sich die Kämpfe in der Hauptstadt Damaskus und der nahe gelegenen Stadt Daraja innerhalb von Minuten beruhigt hatten. Einsatzzentralen in Moskau, Washington, Amman, Genf und der Stadt Latakia im Nordwesten Syrien sammelten Informationen über jegliche Verstöße gegen die Waffenruhe, sagte de Mistura. Bislang gebe es eine Meldung über einen Vorfall, dem sein Team nachgehe.

Vor Mitternacht hatte es noch heftige Gefechte in der Region Daraja außerhalb von Damaskus gegeben, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die syrischen Streitkräfte hatten erklärt, Daraja sei von der Feuerpause ausgenommen, weil dort Kämpfer der Al-Nusra-Front, einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, operierten. Oppositionsgruppen widersprachen dieser Darstellung.

Dem syrischen Staatsfernsehen zufolge gab es wenige Stunden nach Beginn der Waffenruhe eine tödliche Autobombenexplosion am Stadtrand von Salamije. Dabei seien zwei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt worden. Salamije wird von den Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad gehalten. Wer hinter dem Anschlag steckte, war zunächst unklar.

Die USA und Russland hatten sich Anfang der Woche auf die Waffenruhe geeinigt. Die Regierung, das in der saudischen Hauptstadt Riad ansässige Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der Regimegegner und rund 100 Milizen stimmten zu. Ausgenommen sind Angriffe auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und die Al-Nusra-Front.

Angriffe auf Aleppo und Homs

Die Feuerpause soll es Hilfsorganisationen ermöglichen, dringend benötigte Lebensmittel und Medikamente zur Zivilbevölkerung zu bringen. Außerdem soll die Waffenruhe den Weg für die Wiederaufnahme der Syrien-Friedensgespräche am 7. März ebnen. Dieses Datum teilte de Mistura dem Weltsicherheitsrat kurz vor Inkrafttreten der Feuerpause mit. Bedingung sei allerdings, dass die Waffenruhe weitgehend eingehalten werde. Das höchste UN-Gremium verabschiedete am Abend eine Resolution, die die Waffenruhe in Syrien begrüßt und unterstützt.

Das syrische Regime und sein Verbündeter Russland hatten in den Stunden vor Beginn der Feuerpause ihre Luftangriffe auf die Rebellen massiv verstärkt. Kampfflugzeuge beider Länder flogen am Freitag in mehreren Provinzen des Landes Dutzende Angriffe. Syriens Militär setzte dabei erneut Fassbomben ein, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Die meisten Angriffe seien gegen Aleppo und Homs gerichtet gewesen.

Nach Erwartungen des russischen Militärs wird die Waffenruhe nur in sechs sehr kleinen Gebieten Syriens gelten. Gleichzeitig rechnet Russland weite Gebiete rund um die Stadt Aleppo der Al-Nusra-Front zu. Dort sei mit einem Ende der russischen Luftangriffe nicht zu rechnen, schrieb das kritische Moskauer Internetportal Conflict Intelligence Team. Die Experten bezogen sich auf ein Video des russischen Verteidigungsministeriums vom Mittwoch, in dem eine entsprechende Karte eingeblendet wurde.

Opposition setzt Zwei-Wochen-Frist

Das Hohe Verhandlungskomitee erklärte, 97 Rebellengruppen hätten der Waffenruhe zugestimmt. Allerdings setzte das Oppositionsbündnis der Feuerpause eine Frist von zwei Wochen. Die Einigung der USA und Russlands sieht hingegen keine zeitliche Befristung vor. Zudem teilte das HNC mit, die Rebellen hätten das Recht, sich gegen Angriffe zu verteidigen.

Es ist innerhalb kurzer Zeit der zweite Versuch, die Gewalt im Bürgerkriegsland Syrien zu beenden. Ein erster Termin für eine Feuerpause war in der vergangenen Woche ausgelaufen, ohne dass die Gewalt endete.