In Islamabad haben sich vier Länder auf einen Fahrplan für eine Friedenslösung in Afghanistan geeinigt. Er sieht direkte Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban bis Ende Februar vor. Das teilten die Teilnehmer aus Afghanistan, Pakistan, China und den USA nach dem Ende ihrer dritten Gesprächsrunde mit.

Die radikalislamischen Aufständischen haben allerdings erklärt, sie wollten erst mit der afghanischen Regierung verhandeln, wenn sie zuvor mit US-Vertretern gesprochen hätten. Ihre jüngsten Bodengewinne dürften das Vorhaben erschweren, den seit 15 Jahren währenden Konflikt zu beenden.

Während einer inoffiziellen Friedenskonferenz in Doha vor zwei Wochen hatten die Taliban weitere Bedingungen gestellt, darunter die Aufhebung der UN-Sanktionen gegen die Taliban sowie die Freilassung von Gefangenen.

Ein an den Gesprächen in Islamabad beteiligter Diplomat sagte, eines der größten Probleme sei es festzustellen, welche Taliban überhaupt einen Friedensschluss wollten. Eine Reihe von ihnen sei daran gar nicht interessiert. Andere hätten nach Ansicht der afghanischen Regierung so schwere Verbrechen begangen, dass sie für Verhandlungen nicht infrage kämen.

Die letzten direkten Gespräche zwischen Kabul und den Taliban waren 2015 abgebrochen worden, als der Tod des langjährigen Taliban-Chefs Mullah Mohammad Omar bekannt wurde. Seitdem sind die Taliban intern über die Nachfolge zerstritten.

Keine Anreize für siegesgewisse Taliban

Der außenpolitische Berater der pakistanischen Regierung, Sartaj Aziz, sagte seinerseits, die Bemühungen müssten darauf hinauslaufen, die größtmögliche Anzahl von Taliban-Gruppierungen an den Verhandlungstisch zu holen. Für viele Taliban-Kommandeure gebe es dafür aber keine Anreize, sagte Imtiaz Gul, Direktor des Instituts für Forschung und Sicherheitsstudien in Pakistan – sie seien nach den jüngsten militärischen Erfolgen sicher, den Krieg gegen die afghanische Regierung zu gewinnen.

Probleme sieht die afghanische Regierung auch in der Rolle des Nachbarlandes Pakistan. Sie wirft der Regierung in Islamabad vor, auf pakistanischem Territorium wichtigen Talibanführern Schutz zu gewähren. Auch soll der Geheimdienst ISI die afghanischen Taliban lange unterstützt haben. Das heißt aber auch, dass Islamabad Möglichkeiten hätte, die Taliban zu Verhandlungen zu drängen.