Ted Cruz auf einer Wahlkampfveranstaltung in Des Moines, Iowa © Brendan Hoffman/Getty Images

Bis zu diesem Dienstag konzentrierte sich der republikanische Vorwahlkampf vor allem auf die Frage, wie Donald Trump zu schlagen sei. Hätte der selbst ernannte Gewinnertyp, der kaum drei Sätze von sich geben kann, ohne seine "hervorragenden Umfragewerte" zu erwähnen, in Iowa taktisch klüger agiert – vielleicht wäre er an allen seinen Rivalen vorbeigezogen.   

So ist nun Ted Cruz der Gejagte. Dass der Senator von Texas, Sohn einer Amerikanerin und eines Kubaners, als gebürtiger Kanadier überhaupt für das Amt des US-Präsidenten infrage käme, sah sich sein Konkurrent Trump außerstande zu glauben.

Persönliche Schmähungen des Gegners sind im amerikanischen Wahlkampf unumgänglich, und Trump hat diesen Zirkus bloß auf ein ganz neues Level runtergezogen. Das hat er drauf wie kaum jemand. Amateurhaft wirkte dagegen seine Erzählung von den "zwei Korinthern", wenn in dem religiös geprägten Bundesstaat wie Iowa in jeder Bibel der "zweite Brief an die Korinther" zu finden ist. Da ist Cruz doch deutlich bibelfester.

Seinen überzeugenden Sieg verdankte der aber keineswegs allein Trumps Unfähigkeit (oder Unwillen), in Iowa eine vernünftige Wahlkampfstruktur aus Tausenden von Freiwilligen zu installieren, die die Wählermobilisierung für den Milliardär hätte professionell anschieben müssen. Cruz' Weg an die Spitze geht viel weiter zurück.

Dem studierten Juristen (Abschluss in Harvard und Princeton) wird ein großes strategisches Kalkül nachgesagt. Schon vor mehr als zwei Jahren soll der Senator von Texas sich mit einer Reihe von Konservativen in Iowa getroffen haben, um sein Konzept für die Nominierung um das Präsidentschaftsamt vorzustellen und gleichzeitig seine Chancen in verschiedenen Wählerschichten auszuloten, schrieb die Webseite Politico kürzlich. Bis dahin hatte er sich bereits einen Namen als neuer Wachhund der Tea Party gemacht.

Aktivisten aus dieser Bewegung und Evangelikale sollen die konservative Basis hinter seiner Kandidatur bilden. Ein guter Grund, warum seine ersten Worte nach dem Wahlsieg in Iowa "To God be the glory" lauteten. Im Internet kursiert bereits der Witz, dass dieser gottesfürchtiges Satz Republikanisch für "Allahu Akbar" sei. Für solche Scherze hat die religiöse Rechte hinter Cruz natürlich nichts übrig, Dschihadisten verachtet sie, Cruz selbst verspricht, den "Islamischen Staat" innerhalb von 30 Tagen "auszuräuchern, bis der Wüstensand glüht".