Der türkische Journalist Can Dündar © Cumhuriyet Newspaper/dpa

Die beiden seit drei Monaten inhaftierten türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül sind wieder frei. Die beiden hätten am Freitagmorgen das Silivri-Gefängnis in Istanbul verlassen, berichteten türkische Medien. Das türkische Verfassungsgericht hatte das Vorgehen gegen den Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet und seines Bürochefs in Ankara am Vortag für nicht rechtens erklärt. Der Fall hatte international scharfe Kritik an Präsident Recep Tayyip Erdoğan ausgelöst.

DasVerfahren gegen die Journalisten wird allerdings fortgesetzt, ihnen droht lebenslange Haft. Der Prozess soll am 25. März beginnen. Das zuständige Strafgericht in Istanbul verfügte nach der Freilassung aus der Untersuchungshaft laut Cumhuriyet, dass Dündar und Gül das Land nicht verlassen dürfen.

Die beiden Männer wurden von ihren Familien und Kollegen vor dem Gefängnistor jubelnd empfangen. Das Verfassungsgericht hatte am Donnerstag mit zwölf gegen drei Richterstimmen entschieden, dass die "Rechte auf persönliche Freiheit und Sicherheit" von Dündar und Gül verletzt wurden.

Die für Terrordelikte zuständige Staatsanwaltschaft in Istanbul wirft den Journalisten Spionage und einen Umsturzversuch gegen die Regierung vor. Sie waren Ende November in U-Haft gekommen. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie mit Berichten über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien Staatsgeheimnisse verraten haben. Die Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft für das Duo.

Dündars und Güls Festnahme hatte in der Türkei und anderen Ländern Empörung ausgelöst. Ihr Fall gilt als Beispiel für eine zunehmende Unterdrückung der Presse unter Staatspräsident Erdoğan. Der Europarat und mehrere internationale Journalistenverbände kritisierten die Inhaftierungen in dem EU-Bewerberland. Dündar warf der EU vor, die Drangsalierung der Medien in der Türkei aus Rücksicht auf die erhoffte Zusammenarbeit mit Ankara bei der Flüchtlingsabwehr totzuschweigen.