Zwei Tage nach dem Anschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara hat sich eine Kurdenorganisation zu der Tat bekannt. Die aus der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hervorgegangene militante Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) erklärte auf ihrer Internetseite, einer ihrer Kämpfer habe den Anschlag auf "Soldaten der faschistischen türkischen Republik" verübt. Bei dem Attentäter habe es sich um einen im Jahr 1989 geborenen TAK-Kämpfer namens Abdulbaki S. aus der osttürkischen Stadt Van gehandelt. Es handle sich um eine Racheaktion für das türkische Vorgehen gegen Kämpfer der PKK in Cizre im Südosten des Landes. 

Die TAK drohte zudem mit weiteren Attentaten, vor allem auf touristische Ziele. Es gehe ihr darum, den Tourismus in der Türkei zu "zerstören", erklärte die Gruppe. Sie warnte Urlauber aus dem In- und Ausland davor, Touristengebiete in der Türkei besuchen.

In Ankara war am Mittwochabend in der Nähe eines Militärkonvois im abendlichen Berufsverkehr eine Autobombe explodiert. Offiziellen Angaben zufolge zielte sie auf Armeebusse, die Soldaten transportierten. Die Bombe ging etwa 300 Meter vom Hauptquartier der Streitkräfte und vom Parlament entfernt hoch, als der Militärkonvoi gerade an einer Ampel hielt. Bei dem Anschlag waren 28 Menschen getötet und 81 verletzt worden.

Am gestrigen Donnerstag hatte der türkische Regierungschef Ahmet Davutoğlu die PKK und die syrische Kurdenmiliz YPG für den Angriff verantwortlich gemacht. Die YPG und die PKK dementierten eine Beteiligung an der Tat. Die YPG nannte die Anschuldigungen einen Vorwand für einen Einmarsch der Türkei in die Kurdengebiete in Nordsyrien. PKK-Kommandeur Cemil Bayık sagte der PKK-nahen Agentur Firat, er wisse nicht, wer die Täter sind. "Es könnte aber ein Vergeltungsschlag für die Massaker in Kurdistan gewesen sein."

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte am Freitag dennoch darauf beharrt, dass der Attentäter definitiv der YPG angehört habe. Die YPG ist der bewaffnete syrische Ableger der PKK. Die Türkei drängt die USA, die YPG zur Terrororganisation zu erklären. Die YPG ist ein Verbündeter der USA und kämpft in Syrien gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

TAK verübte bereits Anschläge im türkischen Westen

Die TAK ging 2004 aus der PKK hervor und verübte danach Anschläge in Städten auch im Westen der Türkei, der sonst von der Gewalt im kurdisch dominierten Südosten weitgehend unberührt bleibt. Ende vergangenen Jahres hatte sich die TAK zu einem Mörserangriff auf den Istanbuler Flughafen Sabiha Gökçen bekannt, bei der mindestens ein Mensch getötet und mehrere Flugzeuge beschädigt wurden. Die TAK bezeichnet sich als unabhängig von der PKK. Westliche Sicherheitsexperten halten das aber für wenig glaubwürdig. 

Nach dem Anschlag von Ankara erhöhte sich die Zahl der Festnahmen in der Türkei auf mindestens 17. Zu den Festnahmen sei es bei Operationen der Polizei in mindestens sieben Provinzen gekommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Am Donnerstag hatte Davutoğlu gesagt, der Anschlag vom Tag zuvor sei "vollständig aufgeklärt".