Die Türkei hat angekündigt, schärfer gegen Schleuserbanden vorzugehen, um so den Flüchtlingszuzug nach Europa einzudämmen. Menschenhandel werde künftig als Terrordelikt behandelt, sagte Regierungssprecher Numan Kurtulmuş laut Medienberichten nach einer Kabinettssitzung.

Zudem solle die türkische Polizei eine eigene Abteilung für die Bekämpfung des Menschenhandels aufbauen und das Personal für diesen Bereich aufstocken. Auch die Maßnahmen gegen sogenannte Terrortouristen, die über die Türkei zum "Islamischen Staat" (IS) nach Syrien reisten, sollten verstärkt werden.

Die neuen Maßnahmen gegen den Menschenhandel sollen nach den Worten von Kurtulmuş sofort per Dekret umgesetzt werden und nach den notwendigen Parlamentsberatungen später eine gesetzliche Grundlage erhalten.

Vorgehen muss die Türkei wohl auch gegen Kinderarbeit. Wie aus einem Bericht der britischen Menschenrechtsorganisation Business and Human Rights Centre hervorgeht, sollen syrische Flüchtlingskinder in türkischen Textilfabriken für große Bekleidungsketten geschuftet haben. Die Unternehmen H&M aus Schweden und Next aus Großbritannien hätten festgestellt, dass in einigen ihrer Zulieferbetriebe minderjährige Syrer arbeiteten, teilte die Menschenrechtsorganisation mit.

Umsetzung des Aktionsplans

Im vergangenen Jahr sind laut Kurtulmuş an den Küsten der Türkei rund 91.000 Flüchtlinge an der illegalen Weiterreise nach Westeuropa gehindert worden. Die Türkei gewähre inzwischen drei Millionen Flüchtlingen Zuflucht, unter ihnen 2,5 Millionen Syrer. Für die Versorgung der Flüchtlinge habe sein Land bisher rund acht Milliarden Dollar ausgegeben, sagte der Regierungssprecher.

Auf Medienberichte angesprochen, nach denen die Türkei von der EU inzwischen fünf statt drei Milliarden Euro Finanzhilfe fordert, sagte er, die Türkei feilsche nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge. Im November hatten sich beide Seiten auf einen Aktionsplan geeinigt. Die Regierung in Ankara verpflichtete sich darin unter anderem, Flüchtlinge nicht länger ungesteuert in Richtung EU ziehen zu lassen.

Am heutigen Dienstag kamen dennoch mehr als 1.700 neue Migranten in der griechischen Hafenstadt Piräus an, die in den vergangenen Tagen aus der Türkei auf die Ostägäischen Inseln übergesetzt waren. Bereits am Montag waren knapp 6.500 Migranten auf diesen Inseln angekommen, wie die Küstenwache mitteilte.

Fluchtrouten - Flüchtlinge und die Schleuserindustrie 2015 haben nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen über eine Millionen Flüchtlinge Europa erreicht. Die meisten von ihnen sind angewiesen auf Schleuser, die ihnen einen Platz auf einem Boot oder Transporter vermitteln.