Den Autobombenanschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara mit 28 Toten und mehr als 60 Verletzten haben nach Auffassung von Regierungschef Ahmet Davutoğlu die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und die syrische Kurdenmiliz YPG verübt. Der Attentäter sei ein Syrer gewesen, sagte Davutoğlu.

Die Polizei nahm nach Angaben der türkischen Führung bisher 14 Verdächtige fest.

Bislang hat sich niemand offiziell zu dem Anschlag bekannt. Die syrische Kurdenpartei PYD teilte mit, sie sei nicht beteiligt. Die Türkei versuche vielmehr, die Kämpfe im Norden Syriens zu eskalieren, sagt Saleh Muslim, Co-Vorsitzender der PYD, zu der die Kurdenmiliz YPG gehört. Die YPG betrachte die Türkei nicht als Feind.

Auch die verbotene PKK distanzierte sich: Kommandeur Cemil Bayık sagte der PKK-nahen Agentur Firat, er wisse nicht, wer die Täter sind. "Es könnte aber ein Vergeltungsschlag für die Massaker in Kurdistan gewesen sein."

In der Nähe eines Militärkonvois war am gestrigen Mittwoch im abendlichen Berufsverkehr eine Autobombe explodiert. Offiziellen Angaben zufolge zielte sie auf Armeebusse, die Soldaten transportierten. Die Bombe ging etwa 300 Meter vom Hauptquartier der Streitkräfte und vom Parlament entfernt hoch, als der Militärkonvoi gerade an einer Ampel hielt. 

Türkei - Regierung macht PKK für Anschläge verantwortlich Nach dem Selbstmordattentat in Ankara, bei dem am Mittwoch 28 Menschen starben, wurden bei einem weiteren Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi in der Südosttürkei sechs Soldaten getötet. Die PKK soll für beide Anschläge verantwortlich sein.

Der Regierung nahestehende türkische Medien hatten berichtet, ein Kurde aus Syrien habe den Anschlag verübt. Er soll laut unbestätigten Insiderinformationen 2014 als Flüchtling in die Türkei gekommen sein und einer Kurdenmiliz in Syrien nahegestanden haben. Er sei mittels bei seiner Einreise genommener Fingerabdrücke identifiziert worden, die sich in dem Anschlagsauto fanden. Er soll es gefahren haben und durch die Explosion gestorben sein. Ob er tatsächlich als Selbstmordattentäter handelte, steht aber noch nicht fest.

Seit dem Anschlag in der türkischen Hauptstadt, bei dem im Oktober bei einer prokurdischen Friedensdemonstration 103 Menschen getötet wurden, gilt die höchste Terrorwarnstufe. Die türkischen Behörden machten damals die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) für die Tat verantwortlich. Vor einem Monathatte  sich ein mutmaßlicher IS-Anhänger in Istanbul in die Luft gesprengt und elf deutsche Touristen getötet. Die türkischen Behörden nahmen in den vergangenen Wochen zahlreiche mutmaßliche IS-Kämpfer fest, die Anschläge in Ankara und der Metropole Istanbul geplant haben sollen.

Anschlag im Südosten der Türkei

Im Südosten des Landes geht die Armee zudem mit aller Härte gegen die Rebellen der PKK vor. PKK-Kämpfer verüben immer wieder Anschläge auf die türkischen Sicherheitskräfte. So auch am Donnerstagmorgen: Im Südosten des Landes sei ein Militärkonvoi angegriffen worden, hieß es aus Behördenkreisen. Die Explosion habe sich auf der Straße zwischen Diyarbakır und dem Bezirk Lice ereignet, es seien mindestens sechs Soldaten getötet worden.

Türkei fordert Kooperation der Verbündeten

Premier Davutoğlu sagte, der jüngste Anschlag in Ankara zeige, dass auch die YPG eine terroristische Gruppierung sei. Er erwarte, dass die Verbündeten der Türkei im Kampf gegen die YPG kooperierten. Die Miliz der syrischen Kurden kämpft gegen die Extremisten des IS und wurde dabei auch von den USA unterstützt. Mithilfe russischer Luftangriffe drängten sie kürzlich die Rebellengruppen nördlich von Aleppo zurück. Die Türkei fürchtet dadurch eine Stärkung der Kurden.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan drohte nach dem jüngsten Anschlag in Ankara mit Vergeltung. In der Nacht flog die türkische Luftwaffe neue Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak. Wie das Militär mitteilte, wurden Ziele in der gebirgigen Grenzregion Haftanin bombardiert. Die Armee hatte in der PKK-Hochburg demnach bis zu 70 Kämpfer, darunter auch Anführer der Rebellen, im Visier.

AFP/Getty
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