Eine Vertrauensabstimmung im Parlament in Kiew ist zugunsten des ukrainischen Regierungschefs Arsenij Jazenjuk ausgegangen. In der Obersten Rada in Kiew stimmten 194 Abgeordnete für einen Rücktritt des prowestlichen Politikers. Für eine Abwahl waren 226 Stimmen nötig.  

Kritiker werfen Jazenjuk vor allem das Verschleppen wichtiger Reformen vor. Anhänger des Regierungschefs betonen aber, er könne nichts ändern. Das Land ist finanziell vom Internationalen Währungsfonds abhängig. Zudem laugt ein Krieg gegen prorussische Separatisten die frühere Sowjetrepublik aus.

Jazenjuk verteidigte in einer Ansprache seine Politik: "Wir haben dieses Land gerettet und ich will, dass Sie dies respektieren", sagte Jazenjuk. "Wir haben nun ein Land mit voller Staatsschatulle, eine bewaffnete ukrainische Armee, abgeschriebene Schulden und bezahlte Gehälter und Pensionen." Er werde das Land einer neuen Regierung "mit Ehre und Würde" übergeben, schloss Jazenjuk.

Die seit Ende 2014 regierende proeuropäische Koalition gilt als brüchig. Präsident Petro Poroschenko hatte eine Regierungsumbildung gefordert. Eine Neuwahl hatte er allerdings ausgeschlossen. "Um das Vertrauen wiederherzustellen, reicht die Therapie nicht länger, es bedarf der Chirurgie", sagte der Staatschef. Die Ukraine sei in einer "Sackgasse". Poroschenko soll es den Abgeordneten seiner Partei freigestellt haben, im Parlament gegen Jazenjuk zu stimmen. Beide Politiker gehören der prowestlichen Koalition an, doch mehrten sich zuletzt die Meinungsverschiedenheiten.

Jazenjuk war Anfang 2014 einer der Anführer der Protestbewegung gegen den prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch gewesen. Der 41-jährige frühere Banker hatte nach seinem Amtsantritt harte Sparmaßnahmen und Schritte gegen die Oligarchen angekündigt.

Jazenjuk hat in der ukrainischen Bevölkerung stark an Rückhalt verloren. Ihm war zuletzt unter anderem Korruption vorgeworfen worden. Im Dezember wurde er beschuldigt, im Gegenzug für einen Auftrag zur Umrüstung der Atomkraftwerke Schmiergeld von der tschechischen Firma Skoda angenommen zu haben. In Umfragen unterstützten zuletzt 70 Prozent der Bürger seine Entlassung.

Auch aus dem Ausland kommt Kritik. So hatte die Bundesregierung am Montag ein Bekenntnis der ukrainischen Führung gefordert, den Reformweg fortzusetzen.

Der Generalstaatsanwalt der Ukraine, Wiktor Schokin, war zuvor bereits der Rücktrittsforderung Poroschenkos nachgekommen.