Morgen, am 1. März, ist in den Vereinigten Staaten Super Tuesday. Dann werden Republikaner und Demokraten in zwölf Bundesstaaten darüber abstimmen, welchen ihrer Bewerber sie ins Rennen um das Weiße Haus schicken wollen. Wer auf den Parteitagen im Sommer zum Präsidentschaftskandidat seiner Partei gekürt werden will, muss bis dahin in den Vorwahlen die Mehrheit der Delegierten gewinnen. Der republikanische Sieger braucht dafür mindestens 1.237 Wahlmänner und Wahlfrauen, der demokratische 2.383.

An diesem Super Tuesday wird allein ein Viertel der Delegierten bestimmt. Deshalb ist dieser Tag so wichtig – und besonders für die immer noch große Schar republikanischer Bewerber könnte er eine Vorentscheidung sein. Am Mittwochmorgen werden wir wissen, ob der Siegeszug des Milliardärs und Immobilienmoguls Donald Trump noch zu stoppen ist.

Der republikanischen Parteiführung ist Trump unheimlich. Weniger wegen seiner rechten Positionen, da unterscheidet er sich nicht von den beiden Hauptkonkurrenten, Senator Marco Rubio aus Florida und Senator Ted Cruz aus Texas. Und auch nicht nur wegen seiner Unberechenbarkeit und unflätigen Sprache. Sorge bereitet dem Parteiestablishment in erster Linie, dass Trump ein republikanisches Irrlicht ist und kein Urgestein. Sie können ihn nicht einschätzen, wissen nicht, wie politisch sattelfest er ist. Außerdem fehlt ihm bislang jede politische Erfahrung.

Auf einer Welle der Politikverachtung

Trump reitet auf einer Welle der Politikverachtung, die für Washington und das normale politische Geschäft nur Hass und Häme übrig hat. Doch die Parteiführung hat bislang noch keine Strategie gegen den Außenseiter gefunden, sie wirkt rat- und kopflos.

Seit der vergangenen Woche fahren nun Rubio und Cruz schweres Geschütz gegen Trump auf. Doch das Kuriose daran ist: Alles, was sie Trump charakterlich wie politisch vorwerfen, stimmt. Aber gerade weil es zutrifft, ist er – im Vergleich zu Rubio und Cruz – womöglich das kleinere Übel.

Es heißt, Trump hänge sein Fähnchen nach dem Wind und sei trotz der rechten Sprüche kein wahrer Konservativer. Er sei noch nicht lange genug bei den Republikanern und habe außerdem früher mit seinem Geld den Wahlkampf etlicher Demokraten unterstützt.

Wetterwendig, unerfahren, unsympathisch

Seine Gegner halten ihm vor, dass er für ein Recht auf Abtreibung gewesen sei, bevor er als Republikaner zwangsläufig dagegen sein musste. Dass er für strengere Waffengesetze plädiert habe, bevor er als neuentdeckter Rechter jede Restriktion ablehnte. Dass er für ein Einwanderungsgesetz und für die Legalisierung illegaler Immigranten eingetreten sei, bevor er es zu seinem politischen Programm machte, Amerikas südliche Grenze hermetisch mit Mauer und Stacheldraht abzuriegeln und die Mexikaner dafür bezahlen zu lassen.

Trump wird ebenfalls vorgeworfen, die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton einst eine "fabelhafte Frau" und eine gute Außenministerin genannt zu haben.

Es stimmt: Trump ist wetterwendig, unerfahren, unsympathisch und ein rechter Sprücheklopfer. Nach allem, was er jetzt sagt und wie er sich verhält, kann einem nur Angst und Bange werden. Doch Trump ist kein Ideologe, er hat eigentlich keine wirklichen Überzeugungen. Ihm geht es nur um Trump, er ist selbstverliebt und ein Egomane.

Er wird sich wieder in die Mitte bewegen

Vor allem aber will er siegen und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Der bauernschlaue Donald Trump ist im höchsten Maß opportunistisch. Da er weiß, dass er derzeit bei den republikanischen Wählern nur erfolgreich sein kann, wenn er sich in den Vorwahlen seiner Partei weit rechts positioniert, tut er genau das.

Doch ist das keine Langzeitstrategie. Sollte Trump am Ende tatsächlich die meisten Delegierten gewonnen haben, wird er sich – so sicher wie das Amen in der Kirche – wieder in die Mitte bewegen. Denn Trump weiß, nur dann hat er eine Chance, zum Präsidenten gewählt zu werden. Dafür spricht auch, dass ihn soeben Chris Christie, Gouverneur von New Jersey und ein moderater Republikaner, zur Wahl empfahl.

Im Gegensatz zum außenpolitischen Falken Rubio und dem in der Wolle gefärbten Ideologen Cruz steht Trump nämlich für kein wasserdichtes rechtes politisches Programm. Sein Credo ist: Hier stehe ich, ich kann auch anders! Deshalb kritisieren ihn seine innerparteilichen Gegner, deshalb halten sie ihn für unberechenbar und unzuverlässig. Und deshalb trauen sie ihm nicht über den Weg und fürchten, er würde sich, weil es ihm nutzt, ohne Zögern der politischen Mitte anbiedern und sich als Präsident gar mit Putin oder dem Regime in Teheran an einen Tisch setzen.

Damit könnten sie wohl Recht haben, aber genau das macht Donald Trump politisch auch weniger gefährlich als Rubio oder Cruz. Gleichwohl: Mögen die amerikanischen Wähler einen Präsidenten Donald Trump verhindern!