Beinahe zehn Minuten dauerte die Rede, die Hillary Clinton im Caesar’s Palace von Las Vegas am Samstagabend hielt, jenem Casino-Hotel, in dem sonst Box-Champions aufeinander eindreschen und Millionen über die Black-Jack-Tische gehen. Es war eine umfassende programmatische Rede, Clinton sprach von den großen Problemen des Landes und wie sie diese zu lösen gedenkt, und am Ende dankte sie allen, die stets an sie geglaubt hatten.

Eigentlich war die Ansprache in der großen Metropole des Wüstenstaates Nevada dem Anlass kaum angemessen. Clinton hatte die Vorwahl um die demokratische Präsidentschaftskandidatur mit 52 Prozent der Stimmen in einem Staat gewonnen, der ihr gerade einmal 19 der insgesamt 2.382 notwendigen Delegiertenstimmen zum Parteikongress einbrachte. Ihr Rivale Bernie Sanders hat einen Staat weniger gewonnen als sie. Hillary Clinton gab sich an diesem Abend wie die sichere Kandidatin ihrer Partei. 

Iowa und New Hampshire sind Sonderfälle: vorwiegend weiß, gebildet, jung

Zur Selbstsicherheit gab es allerdings auch guten Grund. Die Staaten New Hampshire und Iowa, in denen Sanders sie einmal deutlich geschlagen hat und einmal beinahe geschlagen hätte, sind Sonderfälle. Die beiden Staaten sind vorwiegend weiß und haben einen hohen Anteil gebildeter, junger Wähler. Nevada hingegen ist mehr so wie der Rest von Amerika. 32 Prozent der demokratischen Wählerschaft hier ist nicht-weiß, ein großer Anteil davon hat keine höhere Bildung.

Vor der Wahl in Nevada war es eine große Unbekannte, wie gut Bernie Sanders bei dieser Wählerschicht ankommt. Seine Botschaft der sozialen Gerechtigkeit, der Einwanderungsreform und des vehementen Eintretens für Bürgerrechte sind an sich auf diese Zielgruppe zugeschnitten. Dennoch gab es Zweifel, ob er als Person bei dieser Wählergruppe ankommt.

Jetzt haben beide Lager eine größere Klarheit in dieser Frage. Sanders hat sich zwar bei den hispanischen Wählern besser geschlagen als Clinton, gemäß Umfragen vor den Wahllokalen stimmten 53 Prozent für ihn. Die Afroamerikaner standen jedoch solide hinter Clinton – was insbesondere im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen im Süden bedeutsam ist. Auf die weiße Arbeiterschicht kann sie sich zumindest in der eigenen Partei ebenfalls verlassen.

Einen großen Schub an Zuversicht gibt Clinton nach Nevada und vor den entscheidenden Wahlen im März vor allem jedoch das Gesamtbild. Clinton hat nun 502 Delegierte auf ihrer Seite, Sanders hingegen gerade einmal 69. Grund für diese eklatante Diskrepanz sind die sogenannten Superdelegates – Amts- und Würdenträger der Partei aus den jeweiligen Vorwahlstaaten, die nicht an die Ergebnisse der Vorwahl gebunden sind – eine kuriose Einrichtung der demokratischen Partei, die eigentlich den demokratischen Prozess unterwandert. Die Tatsache, dass sich diese Delegierten in der überwiegenden Mehrheit für Clinton aussprechen, zeigt, dass der Außenseiter Sanders sich weiterhin mit dem Partei-Establishment schwer tut.