Am Ende gewann nicht der Favorit, sondern der Kandidat mit der besten Organisation im Staat: Ted Cruz hat bei den Vorwahlen in Iowa Donald Trump überholt. Der spannende Auftakt zu den US-Präsidentschaftswahlen spiegelt die Brisanz der innerparteilichen Auseinandersetzung bei den Republikanern wider. Zu den Parteiversammlungen in dem mittelwestlichen Staat strömte eine Rekordzahl an Wählern.

Dem beim republikanischen Establishment in Washington rundherum verhassten Texaner Cruz half es, dass er sich als Kandidat christlicher Werte und Feind des Washingtoner Status quo verkaufte. Denn Iowas republikanische Partei wird von evangelikalen Christen und Anhängern der Tea Party dominiert, weshalb der Staat nicht unbedingt ein zuverlässiges Barometer für die Befindlichkeit der republikanischen Basis ist. Immerhin gewann 2008 Mike Huckabee, der fromme Ex-Gouverneur von Arkansas, die Parteiversammlungen, und 2012 siegte der gleichfalls fromme ehemalige Senator Rick Santorum. Beide versanken danach in politischer Bedeutungslosigkeit. 

Ted Cruz, dessen Stab in Iowa über ein ausgeklügeltes Datensystem zur Erfassung und Mobilisierung potenzieller Wähler verfügte, wird womöglich schon bei den ersten wirklichen Vorwahlen in einer Woche im neuenglischen New Hampshire angegriffen werden. Und zwar nicht unbedingt von Donald Trump, dem Zweitplatzierten in Iowa, sondern von Floridas Senator Marco Rubio. Der Hoffnungsträger des Establishments schnitt gestern Abend überraschend stark ab und sicherte sich nur knapp hinter Trump den dritten Rang. 

Rubio: Bollwerk gegen Cruz und Trump

Damit hob sich Rubio aus dem Feld der übrigen Kandidaten des republikanischen Establishments klar heraus und dürfte wahrscheinlich schon in New Hampshire jene Rolle spielen, die ihm von Beginn an zugedacht war: Nämlich als Bollwerk gegen Cruz wie Trump zu fungieren, denen die Washingtoner Eliten zutiefst misstrauen. Mit einem Präsidentschaftskandidaten Rubio könnten überdies auch republikanische Senatoren und Abgeordnete leben. Sie fürchten mit einigem Recht, mit einem Präsidentschaftskandidaten wie Trump oder Cruz keine Chance mehr gegen den Herausforderer der Demokraten zu haben.

Das Aus für Jeb Bush und Chris Christie

Nach Iowa könnten sich zudem die Kandidaturen der Verlierer wie Jeb Bush oder Chris Christie endgültig erledigt haben – damit erhielte Rubio noch mehr Aufwind. Die Financiers der Partei werden seinen Wahlkampf alimentieren, einflussreiche Senatoren und Vertreter der alten Garde sich für ihn aussprechen. Und offenbar dämmerte es manchen republikanischen Wählern in Iowa, dass Rubio bei den Präsidentschaftswahlen im November die besten Gewinnchancen hätte. Wie ließe sich anders erklären, dass der Senator aus Florida vom Zulauf der Wähler profitierte, die sich anscheinend im letzten Moment gegen Donald Trump und für ihn entschieden?

Und Trump? Wie immer sich das Enfant terrible des republikanischen Präsidentschaftswahlkampfes nun verhalten mag, so hängt ihm doch ein Etikett an, das der New Yorker inständig hasst: Ein "Loser", also ein Verlierer, zu sein. Er schnitt nicht schlecht ab in Iowa, aber Zweiter zu sein ist für den megalomanen Trump gewiss eine Erniedrigung. In New Hampshire wird sich zeigen, ob und wie er die Niederlage in Iowa verkraftet hat.

Der wahre Sieger des Abends heißt jedenfalls Marco Rubio. Sein unerwartet gutes Abschneiden wird dem republikanischen Establishment in Washington einen Seufzer der Erleichterung entlockt haben.