Bernie Sanders hat sich nicht lange Zeit dafür genommen, seinen Vorwahlsieg in New Hampshire zu feiern. Das Konfetti der Wahlparty war noch kaum aufgefegt, da saß der sozialdemokratische Kandidat für die US-Präsidentschaft schon im Zug nach New York, um sich um eine wichtige Wählergruppe für die nächste Vorwahl zu kümmern.

Sanders stieg in Harlem aus, jenem New Yorker Stadtteil, der aller Gentrifizierung zum Trotz noch immer als das Mekka des schwarzen Amerikas gilt. Dort traf er sich zum Brunch im Traditionsrestaurant Sylvia’s mit dem Pastor Al Sharpton, der sich in den vergangenen 20 Jahren durch unermüdlichen Aktivismus und ebenso unermüdliche Selbstvermarktung als Leitfigur der schwarzen Bürgerrechtsbewegung etabliert hat.

Sanders’ Widersacherin Hillary Clinton war zur selben Zeit ebenfalls nicht müßig. In ihrem Wahlkampf-Hauptquartier in Brooklyn wurden alle Leitungen in den Süden freigeschaltet, wo der Wahlkampf an diesem Wochenende hinzieht. Es galt, sich die Unterstützung von prominenten schwarzen Predigern in der Region zu sichern, die als Anführer der schwarzen Community erheblichen politischen Einfluss ausüben.

Der Kampf um die schwarze Wählerschaft, die 2008 und 2012 geschlossen für Barack Obama gestimmt hat, ist im US-Vorwahlkampf in die heiße Phase eingetreten. Bei den Vorwahlen in Neuengland spielten die afroamerikanischen Stimmen keine signifikante Rolle, in Iowa stellten sie nur zwei Prozent, in New Hampshire drei Prozent der Wähler. In South Carolina hingegen, wo am kommenden Wochenende abgestimmt wird, sind geschätzte 55 Prozent der Wähler schwarz.

Glaubt man den jüngsten Umfragen, dann muss sich Hillary Clinton bei diesen Wählern keine Sorgen machen. NBC News und das Wall Street Journal haben gemeinsam ermittelt, dass Clinton in South Carolina voraussichtlich 64 Prozent der Stimmen bekommt. Unter schwarzen Wählern liegt sie gar mit 74 Prozent vor Bernie Sanders, für den nur 17 Prozent der Wahlberechtigten stimmen würden.

Hillarys Dominanz bei der afroamerikanischen Wählerschaft hat tiefe historische Wurzeln. Ihr Mann Bill umwarb die schwarzen Wähler bei seiner ersten Wahl 1992 aggressiv. Clinton positionierte sich als Vorkämpfer der unterdrückten schwarzen Minderheit im Süden, der seit Ende der 60er Jahre fest in der Hand der Republikaner war. Richard Nixon hatte damals erfolgreich jene große Gruppe weißer Wähler für sich gewonnen, die sich von der Bürgerrechtsbewegung überrollt fühlten und sich mit einer stärkeren Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung alles andere als wohl fühlten.

Diese Wähler stehen diesmal geschlossen hinter Trump, die Umfragen sagen ihm in South Carolina unter den republikanischen Kandidaten einen soliden Sieg voraus. In den Köpfen der schwarzen Wählerschaft, die der republikanischen Partei den Rücken gekehrt hat, ist Hillary jedoch, auch dank des Erbes ihres Mannes, noch immer die beste Verfechterin ihrer Rechte. Bernie Sanders hingegen ist im Süden eher unbekannt, mit seinem Brooklyner Akzent und seiner linken Rhetorik ist er den Schwarzen des Südens, insbesondere den vielen, die regelmäßig in die Kirche gehen, kulturell eher fremd.

Insbesondere unter den älteren Wählern hier sieht man Bill Clinton noch immer als "den ersten schwarzen" Präsidenten, als den ihn weiland die schwarze Nobelpreisträgerin Toni Morrison bezeichnete. Bill Clinton schien der erste Politiker in Washington zu sein, der sich überhaupt für die Belange der Afroamerikaner einsetzte.

Wie stark die Unterstützung für seine Frau Hillary unter der schwarzen Wählerschaft ist, zeigte sich nicht zuletzt im Vorwahlkampf 2008. Selbst gegen Barack Obama hielten die schwarzen Wähler Clinton lange die Treue. Erst als klar wurde, dass Obama tatsächlich eine realistische Chance hat, der erste schwarze Präsident des Landes zu werden, schwenkten sie um.