Alle vier Jahre schaut die ganze USA auf den kleinen Bundestaat mit drei Millionen Einwohnern. Hier finden seit den 1970er Jahren traditionell die ersten Vorwahlen für die Präsidentschaftswahlen statt. © picture alliance / dpa

Dass es in einem Wahlkampf nicht nur um Zahlen, sondern um Glauben geht, das zeigt sich an Iowa. Dort findet die erste Vorwahl für die US-Präsidentschaftswahlen statt. Mit gerade mal drei Millionen Einwohnern ist der kleine US-Bundesstaat nicht ausschlaggebend für das eigentliche Ergebnis. Trotzdem wird kaum einer Vorwahl mehr Bedeutung zuteil: Es geht nicht um die Größe der Wahlbevölkerung, sondern um den Glauben, dass Iowa alles ändern kann; dass selbst Kandidaten, die zuvor als Außenseiter galten, nach einem Iowa-Sieg Kandidat ihrer Partei werden können – oder sogar Präsident. 

Das zeigte zuletzt Barack Obama 2008. Damals besiegte er in Iowa Hillary Clinton, die bis dahin als Favoritin galt. Clinton muss jetzt befürchten, dass sich ihr Iowa-Trauma mit Bernie Sanders wiederholt. Sanders liegt in den Umfragen nur noch knapp hinter ihr. Bei den Republikanern wird es sich vermutlich zwischen Ted Cruz und Donald Trump entscheiden, wobei Trump vorn liegt.

Beim Caucus in Iowa wählen die Wahlberechtigten lokale Delegierte, die in mehreren Runden Delegierte für den nationalen Parteitag im Juli wählen. Erst bei diesem werden die Kandidaten offiziell ernannt. Gewählt wird der Präsident dann am 8. November. 

Kurz erklärt - So funktionieren die US-Wahlen Iowa hat am 1. Februar als erster US-Bundesstaat über die Präsidentschaftsbewerber von Demokraten und Republikanern abgestimmt. Doch der Weg vom Vorwahlauftakt im Mittleren Westen bis zum entscheidenden Duell um das Weiße Haus ist noch lang.

Die letzten Vorwahlen finden am 7. Juni statt. Dann wird unter anderem in Kalifornien gewählt, mit rund 39 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA. Er entsendet damit die meisten Delegierten zu den nationalen Parteitagen. Davor gibt es den Super Tuesday am 1. März, an dem zwölf Staaten ihre Stimme abgeben.

Nach Iowa liegt also noch ein langer Weg vor allen Kandidaten. Trotzdem steckten sie in den dortigen Wahlkampf viel Zeit und Geld: Sie traten bei 1.500 Kundgebungen auf, schalteten 60.000 Werbespots im Fernsehen, und allein Hillary Clinton will am Wochenende 125.000 Hände geschüttelt haben.

Sie glauben an die symbolische Bedeutung eines Sieges in Iowa. Das liegt vermutlich an dem Wahljahr 1976 und Jimmy Carter. Carter, bis dahin im Rest der USA weitgehend unbekannt, holte in Iowa aus dem Stand 28 Prozent, wurde Kandidat der Demokraten und zog am Ende ins Weiße Haus.

Aber wie erfolgversprechend ist ein Sieg in Iowa wirklich? Ein Blick auf die vergangenen 40 Jahre:

Iowa als Sprungbrett

Sowohl bei Demokraten als auch Republikanern konnte ein Sieg in Iowa als Sprungbrett dienen. Drei Iowa-Sieger schafften es sogar ins Weiße Haus: der Republikaner George Bush junior im Jahr 2000 sowie die Demokraten Jimmy Carter 1976 und Barack Obama 2008.

Diese Iowa-Sieger wurden letztendlich auch Kandidat ihrer Partei:

Demokraten

  • 1976: Jimmy Carter (später auch Präsident)
  • 1980: Jimmy Carter (unterlag später gegen Reagan)
  • 1984: Walter Mondale
  • 2000: Al Gore
  • 2004: John Kerry
  • 2008: Barack Obama (später auch Präsident)

Republikaner

  • 1976: Gerald Ford
  • 1996: Bob Dole
  • 2000: George Bush junior (später auch Präsident)

Wer braucht schon Iowa?

Aber eine Niederlage in Iowa bedeutet nicht gleich das Aus für die Kandidatur. Das zeigte am eindrücklichsten Bill Clinton im Jahr 1992. Damals holte er nur drei Prozent in Iowa. Kandidat der Demokraten wurde er trotzdem und letztendlich sogar Präsident.

Neben Bill Clinton schaffte es Ronald Reagan auch als Iowa-Verlierer 1980 ins Weiße Haus. Ansonsten gab es sowohl unter Demokraten als auch unter Republikanern Kandidaten, die in Iowa unterlagen und trotzdem zumindest Kandidat ihrer Partei wurden:

Demokraten:

  • 1972: Edmund Muskie siegte in Iowa, Kandidat wurde George McGovern.
  • 1988: Dick Gephardt siegte, Michael Dukakis wurde Kandidat.
  • 1992: Tom Harkin siegte, Bill Clinton wurde Kandidat – und Präsident.

Republikaner:

  • 1980: George Bush senior siegte, Ronald Reagan wurde Kandidat und Präsident.
  • 1988: Bob Dole siegte, George Bush wurde Kandidat und später Präsident.
  • 2008: Mike Huckabee siegte in Iowa, John McCain wurde Kandidat.
  • 2012: Rick Santorum siegte in Iowa, Mitt Romney wurde aber Kandidat.

Die erste Vorwahl an diesem Montag kann also durchaus als Sprungbrett für die Kandidaten dienen. Aber auch nach einer Niederlage ist nichts verloren. Denn Glauben hin oder her: Nach Iowa stehen noch 55 andere Vorwahlen an. Und wer Präsident – oder Präsidentin – wird, entscheidet sich allen Aufsehens zum Trotz dann doch erst am 8. November.