Der Außenminister der Vereinigten Staaten, John Kerry, hat Russland aufgefordert, seine Militärstrategie in Syrien zu ändern. "Bisher richtete sich der Großteil der russischen Angriffe auf legitime Oppositionsgruppen", sagte Kerry am Samstag während der Münchner Sicherheitskonferenz.

Es sei wichtig, dass sich Russland "auf andere Ziele konzentriert", damit die Einigung der Syrien-Kontaktgruppe auf eine Waffenruhe auch tatsächlich umgesetzt werden könne, sagte Kerry.  Er kritisierte zugleich den Einsatz ungesteuerter Bomben, durch den viele Zivilisten umkommen und der vor allem Russland zugeschrieben wird.

Zuvor hatte der russische Ministerpräsident Dimitri Medwedew Vorwürfe zurückgewiesen, russische Kampfjets  hätten Zivilisten bombardiert. Dafür gebe es keine Belege.  

Kerry kritisierte Russland auch wegen seiner Rolle in der Ukraine und warf Moskau wiederholte Aggression vor. Russland widersetze sich mit seiner Unterstützung für die Separatisten in der Ostukraine und für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad dem Willen der internationalen Gemeinschaft. Kerry mahnte Moskau, sich ehrlich um einen Waffenstillstand und einen politischen Übergang in Syrien zu bemühen.

Hilfskonvois stehen bereit

In Syrien müsse schnellstmöglich eine politische Lösung gefunden werden, um Frieden zu erreichen, sagte Kerry. "Dies ist ein Wendepunkt." Die Entscheidungen, die in den kommenden Wochen getroffen würden, könnten den Krieg in Syrien beenden – oder den Konflikt noch weiter verschärfen.

Nach Angaben der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte flogen russische Kampfbomber auch am Samstag Angriffe auf Rebellen-Orte rund um Aleppo. Die Entwicklung in Aleppo, das Russland zuletzt massiv bombardiert hatte und das kurz vor dem Fall an die mit Moskau verbündeten Regierungstruppen steht, gilt als Gradmesser für den Erfolg der am Freitag in München vereinbarten Waffenruhe.

Die USA und Russland hatten sich darauf verständigt, binnen einer Woche eine Feuerpause in dem Bürgerkriegsland zu erreichen und die humanitäre Lage der Menschen in den belagerten Städten deutlich zu verbessern. Der Beschuss der einst größten Stadt Syriens hatte abermals Zehntausende Menschen auf die Flucht getrieben. Sie sitzen nun zum großen Teil an die türkische Grenze fest.

Die UN-Hilfstransporte in die belagerten Städte Syriens sollen nach den Worten Kerrys spätestens am Sonntag beginnen. Die Lastwagen seien beladen und stünden bereit, sie sollten am Samstag oder Sonntag losfahren.

EU darf sich nicht spalten

Die EU-Staaten und besonders Großbritannien warnte Kerry vor einer Spaltung. Die EU stehe unter anderem durch die Flüchtlingskrise vor einer "fast existenziellen Bedrohung". Ohne einzelne Länder zu nennen, sagte er, es gebe Kräfte, die diese Krise sogar noch anheizten.

"Europa ist aber schon häufig stärker aus Krisen gekommen, solange Europa geeinigt ist und gemeinsame Antworten auf die Herausforderungen findet", sagte Kerry. Kanzlerin Angela Merkel und andere hätten sich "mit unglaublichem Mut" dieser Herausforderung gestellt. Gelinge es nicht, das Problem zu lösen, gebe es aber einen unwiderruflichen Schaden für Europa.

Präsident Barack Obama vertraue sehr stark auf diese Einheit und wolle helfen, sagte Kerry. "Dies ist unser aller Problem." Ausdrücklich forderte er die Briten auf, sich im Referendum für einen Verbleib in der Union zu entscheiden. "Die USA haben ein offensichtliches Interesse ... auch daran, dass ein starkes Großbritannien Teil einer starken EU bleibt."