Ihr neuer Chef liebt Rekorde, Prunk und Sensationen. Egal ob der höchste Wolkenkratzer oder das teuerste Feuerwerk der Welt, die einzige Skihalle in der Wüste oder die größte künstliche Insel auf Erden, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum weiß, wie er seine Wüstenheimat mit Glitzer und Glamour im Gespräch hält. Und so machte der umtriebige Regierungschef der Vereinigten Arabischen Emirate und Emir von Dubai kürzlich sogar Schlagzeilen mit seiner Regierungsumbildung, die er als die größte und eigenwilligste in der fast 45-jährigen Geschichte der superreichen Golffürstentümer inszenierte.

Das Kabinett hat nun 29 Mitglieder. Unter ihnen, als jüngste Ministerin aller Zeiten, auch die 22-jährige Schamma al-Masrui, die sich künftig um die Jugend des Landes kümmern soll. Von acht neuen Ministern sind fünf Frauen nicht nur in der arabischen Welt eine bemerkenswerte Quote. Eine weitere führt das weltweit einzigartige Ministerium für Glück und Wohlergehen, eine andere das neu geschaffene Ministerium für Toleranz, die beiden übrigen die bereits existierenden Ressorts für internationale Zusammenarbeit und Kommunalentwicklung.

"Die Jugend macht die Hälfte der arabischen Gesellschaften aus, daher ist es nur logisch, ihnen eine Stimme und eine Rolle in der Führung unserer Nation zu geben", twitterte der Herrscher von Dubai, der ein passionierter Langstreckenreiter ist und von seinen Landsleuten nur "Scheich Mo" genannt wird. "Der Nachwuchs ist unsere Stärke, unsere Kraft und unsere Zukunft", fügte er hinzu. Schamma al-Masrui werde "die Hoffnungen unserer Jugend repräsentieren".

Golfspielen und Skifahren

Die Neuministerin studierte nach dem Abitur zunächst Wirtschaftswissenschaften an der Nahostfiliale der New York University in Abu Dhabi. Im Mai 2014 schloss sie mit einem Bachelor ab. Ihren Master in Politikwissenschaften machte sie anschließend an der britischen Oxford University, wo sie als Stipendiatin der renommierten Rhodes-Stiftung eingeschrieben war. Golfspielen und Skifahren seien ihre Hobbys, sagt sie. In den Semesterferien arbeitete sie als Praktikantin bei der Botschaft der Emirate in Washington.

Auf Twitter und Facebook wurden ihre Ernennung und die Verjüngung des Kabinetts überwiegend begrüßt. Kritiker jedoch bezweifeln, dass sich die tief verwurzelten Ursachen für die Diskriminierung von ausländischen Arbeitskräften und einheimischen Frauen damit wirklich beseitigen lassen. Von den neun Millionen Einwohnern der Emirate sind 90 Prozent Migranten, eine Quote, wie sie sonst nirgends auf der Welt existiert.

In dem sogenannten Gender Gap Index, mit dem das Genfer Weltwirtschaftsforum Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen bewertet, landete auch 2015 wieder kein arabischer Staat auf den ersten 100 Plätzen. Die beste arabische Nation war die Heimat von Schamma al-Masrui – auf Rang 119 von 145 getesteten Ländern.