Im Mittleren Osten sind in den vergangenen Jahren deutlich mehr Waffen importiert worden. Das geht aus einem neuen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri (pdf) hervor. Die Region führte zwischen 2011 und 2015 im Vergleich zu dem Zeitraum zwischen 2006 und 2010 fast zwei Drittel mehr Waffen ein. Saudi-Arabien steigerte demnach seine Importe in dieser Zeit um 275 Prozent. Mit einem Weltmarktanteil von sieben Prozent ist das Land zweitgrößter Importeur nach Indien (14 Prozent) und vor China (4,7 Prozent).

"Eine Koalition arabischer Staaten setzt vor allem aus den USA und Europa stammende Waffen im Jemen ein", sagte Sipri-Experte Pieter Wezeman. Trotz der geringen Ölpreise seien weitere große Waffenlieferungen in den Mittleren Osten geplant.

Auch an Ägypten wurden nach einem zwischenzeitlichen Stopp wieder mehr Waffen geliefert. Das Land führte im untersuchten Zeitraum 37 Prozent mehr Waffen ein, berichten die Friedensforscher. "2014 und 2015 unterzeichnete Ägypten mehrere große Deals für Waffen aus Frankreich, Deutschland und Russland", hieß es im Sipri-Bericht. Auf der anderen Seite des Roten Meers steigerte der Irak seine Rüstungsimporte um 83 Prozent. Indiens Nachbarn Pakistan, Bangladesch und Myanmar zählen derweil zu den Hauptempfängern von Chinas Waffenexporten.

In Afrika stiegen die Rüstungseinfuhren insgesamt um etwa ein Fünftel, Algerien und Marokko blieben die größten Importeure: In die beiden Länder gehen über die Hälfte der Lieferungen auf dem Kontinent. Trotz der vielen Konflikte in Afrika südlich der Sahara führten diese Staaten aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage nur wenige Waffen ein.

USA erreichen Marktanteil von 33 Prozent

Der Waffenhandel insgesamt nahm in den vergangenen Jahren weltweit deutlich zu. Die Rüstungsverkäufe zwischen 2011 und 2015 wuchsen laut den Forschern im Vergleich zu den fünf Jahren davor um 14 Prozent. Davor war der Markt etwa 20 Jahre lang geschrumpft.

Die USA bauten in den vergangenen Jahren ihren weltweiten Marktanteil auf 33 Prozent aus. In den Jahren zwischen 2006 und 2010 hatte dieser Anteil noch bei 29 Prozent gelegen. Dabei verfügen die USA laut Sipri mit 96 Staaten über die meisten unterschiedlichen Kunden. Zudem habe die US-Verteidigungsindustrie große Exporte in Vorbereitung, darunter 611 Kampfflugzeuge F-35 für neun Länder.

Zweitgrößter Exporteur bliebt Russland (25 Prozent), gefolgt von China (5,9 Prozent), das seine Exporte um 88 Prozent erhöhte. Viertgrößter Waffenexporteur ist laut Sipri Frankreich mit 5,6 Prozent Marktanteil vor Deutschland mit 4,7 Prozent. Gemeinsam stehen die Länder für rund drei Viertel der internationalen Rüstungsexporte.

Rüstungsindustrie - Deutsche Waffenexporte steigen Laut einem Bericht von SIPRI sind die Waffenverkäufe 2014 weltweit leicht gesunken. Deutsche Rüstungsunternehmen haben jedoch mehr verdient. Knapp die Hälfte aller Waffenverkäufe geht von einem einzigen Land aus.

Deutschland reduziert Verkäufe deutlich

China fuhr in dem Zeitraum die Waffenimporte zurück und setzte zunehmend auf Eigenproduktionen. "China erweitert seine militärischen Fähigkeiten mit importierten und im Inland produzierten Waffen weiter", sagte Sipri-Experte Siemon Wezeman.

Deutschland verkaufte dagegen zwischen 2011 und 2015 nur noch in halb so großem Umfang Waffen ins Ausland wie von 2006 bis 2010. Kürzlich berichtete die Zeitung Die Welt unter Berufung auf einen Zwischenbericht der Bundesregierung, dass die Waffenexporte aus Deutschland im ersten Halbjahr 2015 stark gestiegen seien.Die Lieferungen von Kleinwaffen wie Pistolen oder Gewehren gingen dem Bericht zufolge in dem Zeitraum allerdings von 21,3 auf 12,4 Millionen Euro zurück.

Große Empfänger der Hauptexporteure auf dem Weltmarkt sind neben Indien, Saudi-Arabien und China auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar, die ihre Importe um 35 Prozent beziehungsweise 279 Prozent steigerten. Mit Hubschraubern, Verteidigungssystemen, Tankern und Kampffliegern baue der Wüstenstaat sein Arsenal massiv aus, berichteten die Stockholmer Forscher.