Irans Präsident Hassan Ruhani darf sich freuen. Bei der Auswertung der Parlamentswahl im Iran liegen die Reformer in dem politisch wichtigen Bezirk Teheran vor den Hardlinern. Nach Angaben des Innenministeriums führt Mohammed-Resa Aref, der Spitzenkandidat der Reformer, in den Teilergebnissen deutlich vor dem Hardliner Gholam-Ali Hadad-Adel. Damit hat Aref den direkten Zweikampf zwischen den beiden Spitzenkandidaten klar für sich entschieden. Der Ausgang dieses Duells war für viele Beobachter wichtiger als das Gesamtergebnis. Denn ein Sieg Arefs wäre der deutlichste Hinweis, dass die Mehrheit der Iraner den Ruhani-Kurs unterstützt. Das Lager der Reformer und Gemäßigten könnte nach der Auszählung von 44 Prozent der Stimmen 29 der 30 zu vergebenden Sitze bekommen, hieß es in Teheran. Nur bei einem Sitz liege der konservative Kandidat in der Stimmenauszählung vorn. Den Angaben zufolge stimmten 1,3 Millionen Wähler in Teheran bei der Parlamentswahl am Freitag für die Koalition der Reformer und Gemäßigten. Insgesamt waren 290 Parlamentssitze zu vergeben. Bis der genaue Ausgang der Wahl bekannt ist, könnte es noch Tage dauern.

Auch bei der Wahl zum iranischen Expertenrat liegen die Reformer klar vor den Hardlinern. Der Expertenrat ist das wichtigste religiöse Gremium des Landes. Wie das Innenministerium mitteilte, führen der ehemalige Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani und Präsident Hassan Ruhani in der Liste für die Hauptstadt Teheran. Die drei bekanntesten Hardliner Ahmad Dschannati, Mohammed Jasdi und Mesbah Jasdi liegen abgeschlagen auf den Plätzen 10, 12 und 16.

Bei dieser Wahl werden 16 der 88 Plätze im Expertenrat neu besetzt. Das Gremium ist für die Ernennung des obersten Führers des Staates zuständig. Der Rat befasst sich zwar nicht mit aktuellen politischen Themen, aber ein Sieg von Rafsandschani und Ruhani würde den Einfluss des erzkonservativen Klerus im Lande stark reduzieren. Womöglich werden die Mitglieder des Expertenrats in den kommenden acht Jahren einen Nachfolger des 76-jährigen geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei zu bestimmen haben. 

Der konservative Wächterrat hatte von den ursprünglich mehr als 12.000 Kandidaten bei der Parlamentswahl rund 60 Prozent ausgeschlossen. Vom Ausschluss waren vor allem Kandidaten aus dem Lager der Reformer betroffen. Die verbliebenen Kandidaten aus diesem Lager verbündeten sich mit den Moderaten und gründeten die Liste Hoffnung. Dieses Bündnis wurde vom früheren Vize-Präsidenten Mohammed Resa Aref angeführt. Die Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Akbar Haschemi Rafsandschani riefen zur Wahl der Kandidaten aus dem Lager Ruhanis auf, um dem "Extremismus" entgegenzutreten.