Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen nach dem Anschlag in Ankara © Adem Altan/AFP/Getty Images

Die deutsche Botschaft in Ankara und das Generalkonsulat sowie die deutsche Schule in Istanbul sind wegen "sehr konkreter Hinweise" auf geplante Terroranschläge geschlossen worden. Getroffen hat die Entscheidung Frank-Walter Steinmeier. "Das war eine notwendige Maßnahme, weil der Schutz der deutschen Staatsbürger und der in den Einrichtungen arbeitenden und lernenden Menschen jetzt Vorrang haben muss", sagte der Außenminister.

Das Auswärtige Amt rät auf seiner Homepage zu erhöhter Vorsicht in Istanbul, Ankara und anderen Großstädten der Türkei. Menschenansammlungen, auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen sowie der Aufenthalt nahe Regierungs- und Militäreinrichtungen sollten gemieden werden. Bei dem Autobombenanschlag waren am Sonntag 37 Menschen getötet worden.

Während der Schließungen sollen die Schutzvorkehrungen an den Einrichtungen erhöht werden. Steinmeier sagte, es handele sich um eine "Vorsichtsmaßnahme". Man werde jetzt versuchen, mehr Informationen über die Sicherheitslage der Türkei zu sammeln. Der Krisenstab der Bundesregierung tage zur Stunde im Auswärtigen Amt. Steinmeier bat, die Reisehinweise in den nächsten Tagen weiterhin sorgfältig zu beachten.

Türkei - Hinweis auf geplante Anschläge gegen deutsche Botschaft Den deutschen Sicherheitsbehörden lägen konkrete Hinweise auf geplante Anschläge gegen deutsche Vertretungen in der Türkei vor, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Die deutschen Vertretungen in der Türkei blieben heute geschlossen.

Istanbuler Gouverneur kritisiert "nicht verifizierte Wahrnehmungen"

Der Istanbuler Gouverneur kritisierte die Schließung deutscher Einrichtungen in der Türkei scharf. Die Maßnahmen würden die türkische Öffentlichkeit "negativ beeinflussen", erklärte das Gouverneursamt nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA. Sie beruhten außerdem auf "nicht verifizierten Wahrnehmungen" und seien getroffen worden, ohne die türkischen Behörden zu kontaktieren. Das Istanbuler Gouverneursamt warf den deutschen Behörden vor, einer Panikmache im Internet erlegen zu sein. In den sozialen Netzwerken kursierten Gerüchte und Nachrichten, die darauf angelegt seien, die Sicherheit und Ordnung des Landes zu stören, schrieb die Behörde.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu zeigte dagegen Verständnis für die Sorgen vor weiteren Anschlägen. Nach Anschlägen wie dem von Ankara seien "Sorgen hinsichtlich der Sicherheit in allen Städten normal",  sagte Davutoğlu. Allerdings würden in Ankara und Istanbul wie in anderen Städten die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Dabei gebe es "große Anstrengungen", sagte der Regierungschef, der auf ähnliche Vorkehrungen nach Anschlägen in westlichen Städten verwies. "Paris ist immer noch im Ausnahmezustand", sagte er.

Zunächst hieß es auch beim Auswärtigen Amt, bei der Schließung handele es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme nach einem "nicht abschließend überprüfbaren Warnhinweis". Die Bedrohungslage habe sich im Vergleich zu den vergangenen Tagen nicht geändert. Bereits am Dienstag hatte die deutsche Botschaft in Ankara Bundesbürger vor neuen Anschlägen in der Hauptstadt gewarnt.

Das Konsulat und die Schule in Istanbul blieben "vorsorglich geschlossen". In einer E-Mail des Generalkonsulats an deutsche Bundesbürger hieß es weiter: "Bitte meiden Sie die Umgebung des Generalkonsulats." Die diplomatische Vertretung liegt in der Nähe des Taksim-Platzes. Die deutsche Schule ist etwa eineinhalb Kilometer Luftlinie entfernt an der Fußgängerzone İstiklal Caddesi.

Radikale Kurdengruppe bekennt sich zu Attentat

Zu dem Attentat hatte sich die extremistische Kurdenorganisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) bekannt. Der Angriff in der türkischen Hauptstadt vom Sonntag sei eine Vergeltung für das Vorgehen der türkischen Truppen gegen die Kurden im Südosten der Türkei gewesen, äußerte die Gruppe in einem auf ihrer Website veröffentlichten Bekennerschreiben. Es sei nicht das Ziel gewesen, Zivilisten zu töten. Allerdings seien Opfer in der Zivilbevölkerung bei Angriffen unvermeidlich, hieß es.

Die TAK haben sich nach eigenen Angaben von der verbotenen Arbeiterpartei PKK abgespalten. Experten gehen jedoch davon aus, dass es noch Verbindungen zwischen beiden Gruppen gibt. Die Extremisten haben auch die Verantwortung für einen Anschlag in Ankara im vergangenen Monat übernommen.

Türkei - Zahlreiche Tote und Verletzte bei Anschlag in Ankara Zum zweiten Mal binnen vier Wochen ist im Herzen der türkischen Hauptstadt Ankara ein schwerer Bombenanschlag verübt worden. Die türkische Regierung vermutet hinter dem Anschlag kurdische Extremisten.

Die Explosion einer Autobombe am Sonntag war einer der schwersten Anschläge in der Türkei in der jüngeren Vergangenheit. Die türkische Regierung machte nach ersten Ermittlungen die PKK dafür verantwortlich und bombardierte nur wenige Stunden nach der Explosion Stellungen der Aufständischen im Nordirak. Die Gewalt hat sich seit dem Scheitern einer mehr als zweijährigen Waffenruhe mit der PKK im Juli vor allem im Südosten des Landes deutlich verschärft. Mehr als 200 Menschen sind seither in dem Konflikt gestorben. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan kündigte am Mittwoch an, demokratische Werte nun dem Kampf gegen den Terrorismus unterzuordnen und Terroristen künftig mit der "Eisenfaust" zu bekämpfen.