Nach dem Anschlag von Ankara, bei dem mindestens 37 Menschen ums Leben kamen, hat sich der Verdacht in der Türkei auf die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK gerichtet. Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu sprach nach ersten Ermittlungen von sehr ernsten, beinahe sicheren Hinweisen auf eine Urheberschaft der PKK. Die Untersuchung sei aber nicht endgültig abgeschlossen. Wenige Stunden nach dem Anschlag hatte die türkische Regierung begonnen, PKK-Stellungen im Irak zu bombardieren. Ein offizielles Bekenntnis zu dem Anschlag liegt bislang nicht vor.

Davutoğlu sagte nach einem Besuch bei Verletzten des Anschlags in einem Krankenhaus in Ankara weiter, elf Menschen seien im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen worden. 35 der 37 Toten seien inzwischen identifiziert worden, die DNA der beiden anderen werde noch untersucht. Mindestens ein, möglicherweise aber auch zwei Selbstmordattentäter seien unter den Toten.

Am Sonntagabend war ein offenbar mit Sprengstoff beladenes Auto im Zentrum der türkischen Hauptstadt in der Nähe eines Busses in die Luft geflogen. Neben den 37 Toten gab es etwa 120 Verletzte. Regierungsbeamte hatten schon direkt nach der Tat den Verdacht geäußert, dass Kurden verantwortlich seien. Nach einem ebenfalls verheerenden Anschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara vor drei Wochen hatte sich die PKK-Splittergruppe TAK als Urheber bekannt. Damals waren 29 Menschen getötet worden.

Die türkische Armee geht im Südosten des Landes militärisch gegen Anhänger der PKK vor, seit im vergangenen Jahr der Friedensprozess mit den kurdischen Extremisten für beendet erklärt wurde. Zudem greift die Türkei auch immer wieder kurdische Stellungen jenseits der eigenen Grenzen an.

So auch am Morgen nach dem Anschlag, wie die staatliche Agentur Anadolu meldete: Elf Kampfflugzeuge hätten im Norden des Iraks PKK-Positionen bombardiert, darunter auch die mutmaßliche Kommandozentrale der PKK. Ziele waren demnach 18 Munitionslager, Bunker und Unterstände der PKK.

Erdoğan will "Terrorismus in die Knie zwingen"

Auch Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte entschlossenes Vorgehen gegen den Terror angekündigt. Man werde den "Terrorismus in die Knie zwingen". Er sprach von einem Recht auf Selbstverteidigung, um künftige Attacken zu verhindern.

Das Attentat in Ankara wurde verübt, während sich türkische Sicherheitskräfte auf eine groß angelegte Aktion gegen mutmaßliche Extremisten in den kurdischen Städten Yüksekova und Nusaybin vorbereiteten. Viele Einwohner flohen, während vor den Orten Panzer auffuhren und Ausgangsverbote verhängt wurden.

Die US-Botschaft hatte am Freitag vor einem drohenden Anschlag im Zentrum Ankaras gewarnt und US-Bürgern geraten, das Gebiet zu meiden. Der Onkel eines der Opfer beklagte, es habe seit über einer Woche Hinweise auf einen neuen Anschlag gegeben, doch habe die Regierung nichts unternommen. "Wir haben große Angst, weil die Regierung sich nicht um die Menschen dieses Landes kümmert", sagte Nihat Görgülü.

Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu kritisierte, die Regierung habe keinen neuen Polizeichef für Ankara ernannt, nachdem der alte nach einem Anschlag im Oktober entlassen worden war. "Wir verdienen nicht diese inakzeptable Situation, in der Eltern ihre Kinder beerdigen. Die Türkei wird nicht gut regiert, doch einige Leute verschließen die Augen", sagte der Vorsitzende der oppositionellen CHP.

Mehr als 200 Tote bei Anschlägen in der Türkei

Seit Juli kamen mehr als 200 Menschen bei insgesamt fünf Selbstmordattentaten in der Türkei ums Leben, für die kurdische Rebellen oder auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" verantwortlich gemacht wurden.

Im Oktober waren bei einem Selbstmordanschlag auf eine prokurdische Friedensdemonstration in Ankara 103 Menschen getötet worden. Die Regierung machte den IS für das Attentat verantwortlich. Die Demonstranten hatten der Regierung vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen die Dschihadisten in Syrien vorzugehen.

Mitte Februar wurden dann nahe dem Kızılay-Platz bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi 29 Menschen getötet. Zu dem Anschlag bekannte sich die kurdische Extremistengruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), die der PKK nahesteht. Hintergrund des Anschlags war das harte Vorgehen der Armee gegen kurdische Rebellen im Südosten des Landes.