Nach dem Selbstmordattentat: Ein Polizist am Rande des größten Parks von Lahore. © Arif Ali/AFP/Getty Images

Pakistanische Sicherheitskräfte haben nach dem Anschlag am Ostersonntag bei Razzien mehr als 5.000 mutmaßliche Extremisten festgenommen. Bis auf 216 Verdächtige seien sie jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt worden, teilte der Staatsminister für die Provinz Punjab, Rana Sanaullah, mit. Bei der Attacke im größten Park von Lahore waren 72 Menschen getötet worden, darunter 35 Kinder. Die Talibangruppe Jamaat ul-Ahrar bekannte sich zur Tat und teilte mit, man habe sowohl Christen als auch die Regierung treffen wollen. Unter den 72 Toten waren allerdings mehr Muslime als Christen.

Die Militär- und Geheimdienstoperationen hätten sich gegen "Mitglieder verbotener Organisationen" in der Provinz Punjab gerichtet, hieß es aus Militärkreisen. Wie viele der Festgenommenen in den Anschlag verwickelt waren, blieb zunächst unklar. Die Führungsebene von Jamaat ul-Ahrar soll sich in Afghanistan aufhalten.

Die Zahl der Toten bleibe bei 72, sagte ein Polizeibeamter in der Koordinierungsstelle in Lahore. Keiner der rund 190 Verletzten, die noch in Behandlung seien, sei über Nacht gestorben. Ein Arzt am Jinnah-Krankenhaus teilte aber mit, dort seien einige in kritischer Verfassung. Insgesamt waren mehr als 330 Menschen verletzt worden.

Pakistan - "Wir alle sind die Zielscheibe" Nach dem Selbstmordanschlag von Lahore mit mehr als 70 Toten und über 200 Verletzten ist die Trauer groß in Pakistan. Die Mehrheit der Toten waren Muslime.

Die Bombe im Park von Lahore zählt zu den tödlichsten Anschlägen in Pakistan. Im Dezember 2014 hatten pakistanische Taliban in einer Schule in Peschawar 136 Kinder ermordet. Danach hatte die Regierung massive Militäroperationen vor allem gegen Taliban-Gruppen begonnen.

In vielen pakistanischen Städten wurden Sicherheitsmaßnahmen für öffentliche Orte verschärft. In der Millionenmetropole Karachi schloss der größte Vergnügungspark des Landes, der Safari Park, berichtete die Express Tribune unter Berufung auf die Verwaltung. In 200 Parks sei dort nun mehr Sicherheitspersonal unterwegs. 

Der pakistanische Ministerpräsident Nawaz Sharif hatte nach dem Anschlag einen kompromisslosen Kampf gegen Terroristen aller Art angekündigt. Pakistan werde die "terroristische Denkweise" zerschlagen, sagte er nach einer Krisensitzung des Kabinetts.

In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad wurden am zweiten Tag in Folge sämtliche Mobiltelefonnetze abgeschaltet. Eine offizielle Stellungnahme gab es dazu nicht. Es wird angenommen, dass die Maßnahme mit der Präsenz von rund 2.000 radikalen, religiösen Demonstranten vor dem Parlament zu tun hat. Die hatten sich dort am Sonntag festgesetzt. Mit der Abschaltung der Netze soll verhindert werden, dass Mob-Aktivitäten organisiert werden. Außerdem werden so per Handy zündbare Sprengsätze außer Kraft gesetzt.

Seit dem Sonntag demonstrierten Tausende religiöse Radikale in Islamabad gegen die Hinrichtung eines Extremisten vor einem Monat. Mumtaz Qadri hatte 2011 den liberalen Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, ermordet, nachdem dieser die strengen Blasphemiegesetze des Landes kritisiert hatte. Für den Mord war Qadri von Hunderttausenden Pakistanern wie ein Held gefeiert worden.