Der belgische Justizminister Koen Geens © Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa

Ermittlungspannen, Fehlinformationen – und noch immer keine Spur von dem Mann mit Hut, der seit dem Attentat auf den Brüsseler Flughafen vor einer Woche von den belgischen Behörden gesucht wird. Seit den Terroranschlägen vor einer Woche mussten sich die Ermittler in Belgien viel internationale Kritik gefallen lassen. Nun forderte der Justizminister Koen Geens ein Ende der Schuldzuweisungen und ein geschlossenes Vorgehen gegen Extremisten. "Jetzt ist nicht die Zeit, einander zu bekämpfen", sagte Geens. Es sei vielmehr Zeit für ein gemeinsames Vorgehen: "Soweit ich weiß, sitzt der Feind in Syrien."

Bereits nach den Terroranschlägen von Paris im November hatte die Spur nach Brüssel geführt, wo viele der Attentäter gelebt hatten. Trotz zahlreicher Terrorrazzien und Ermittlungen in Belgien und Frankreich konnten Mitglieder der gleichen Zelle auch in Brüssel zuschlagen, was die Kritik an den belgischen Behörden und dem offenbar herrschenden Chaos bei den Zuständigkeiten erhöhte.

Der ebenfalls unter Beschuss geratene Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur räumte deshalb auch Fehler ein. "Es müssen sicherlich einige Analysen zu dieser Ermittlung gemacht werden", sagte er bei einem Besuch in Paris. "Gab es Fehler? Haben wir etwas übersehen? Sicherlich. Ansonsten wären diese Anschläge nicht passiert." 

Anschläge in Belgien - "Brüssel lebt!" Eine Woche nach den Anschlägen in Brüssel sind noch viele Menschen schockiert. Bei den Anschlägen waren 35 Menschen getötet worden. Die Ermittler fahnden noch immer nach einem dritten mutmaßlichem Täter.

Nach den Anschlägen suchen die Ermittler nach noch mindestens einem Verdächtigen, dem Mann mit Hut, der auf einem Überwachungsvideo mit den beiden Selbstmordattentätern vom Brüsseler Flughafen zu sehen war. Zwischenzeitlich war Fayçal C. ins Visier der belgischen Behörden geraten. Fälschlicherweise wurde er für den gesuchten Mann mit Hut gehalten, bevor er am gestrigen Montag wieder entlassen wurde.

Für die Ermittler war die Freilassung ein Rückschlag. Nach den Anschlägen hatten sie mehrere Verdächtige festgenommen. Auch europaweit wird gefahndet. Dabei fanden sich zwar immer mehr Hinweise auf eine Verbindung zwischen den Anschlägen in Brüssel und denen in Paris im November. Aber nach wie vor ist nicht klar, wer der Hauptverdächtige ist.

"Normal" gibt es nicht mehr

Bürgermeister Mayeur ist sich sicher, dass Brüssel nach den Anschlägen nie wieder zur Normalität zurückkehren werde. "So etwas wie 'Normal' gibt es nicht mehr."

Auch am Flughafen Zaventem, wo vergangene Woche zwei Bomben explodiert waren, konnte der Regelbetrieb noch nicht wieder aufgenommen werden. Die Detonationen haben an dem Gebäude schwere Schäden angerichtet. Nun wird ein vorübergehendes System zur Abfertigung der Passagiere getestet, in den kommenden Tagen soll der Betrieb dann wieder starten.  

Die Metro – das zweite Ziel der Terroristen – fährt wieder unter strenger Bewachung und mit geringerer Frequenz als üblich. Rund die Hälfte der Stationen blieb zudem geschlossen. Darunter war auch die Station Maelbeek, in der sich einer der Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatte.

Mittlerweile sind alle Toten identifiziert: Nach neuesten Angaben der Staatsanwaltschaft starben bei den Terroranschlägen 32 Menschen. 17 davon waren Belgier, 15 weitere stammten aus dem Ausland. Dazu gezählt werden müssen außerdem die drei Selbstmordattentäter.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannte sich zu den Anschlägen.