Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva © Fernando Bizerra Jr./EFE/dpa

Die Staatsanwaltschaft von São Paulo hat Untersuchungshaft für den ehemaligen brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva gefordert. In einem Zusatz zu dem Antrag auf Anklageerhebung gegen Lula wegen Geldwäsche, erklärt die Staatsanwaltschaft, er nutze seinen Status als Ex-Präsident aus, um sich "über das Gesetz zu stellen". Zur Begründung führte sie Lulas Aufruf zu Massenprotesten nach seiner vorübergehenden Festnahme am Freitag an. Die Forderung nach Untersuchungshaft muss nun von der Richterin Maria Priscilla Ernandes bewertet werden – wann eine Entscheidung fällt, ist noch unklar.

Lula war am Freitag in Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um den Ölkonzern Petrobras verhört worden. Dabei ging es um eine Luxuswohnung in Guarujá. Lula betonte bereits mehrfach, nicht der Eigentümer des fraglichen Objekts zu sein. Die Ermittler vermuten jedoch, der Gründer der linken Arbeiterpartei und seine Familie seien die eigentlichen Eigentümer. Offiziell läuft die Immobilie auf den Namen des Bauunternehmens OAS, das in den milliardenschweren Korruptionsskandal um Petrobras verwickelt ist. Auch die Renovierungsarbeiten und die Ausstattung der Immobilie sollen ganz nach dem Geschmack Lulas erfolgt sein, lautet der Verdacht.

Die Staatsanwaltschaft wirft Lula zudem vor, von "zahlreichen Begünstigungen" durch korrupte Firmen profitiert zu haben. Demnach geht es um Zuwendungen in Höhe von umgerechnet 7,3 Millionen Euro. Die ehemalige Ikone der Linken wies eine Verwicklung in die milliardenschwere Korruptionsaffäre, in die ranghohe Politiker aller Parteien verstrickt sind, stets von sich. Um Aufträge zu bekommen, zahlten Bauunternehmen während Lulas Amtszeit in vielen Fällen eine Provision von drei Prozent der Vertragssumme an Politiker und Parteien.

Brasilien - Ex-Präsident Lula da Silva wegen Korruptionsvorwürfen verhört Brasiliens Ex-Präsident soll an der Korruptionsaffäre um den brasilianischen Erdölkonzern Petrobras beteiligt sein. Er habe von den Verbrechen profitiert, so die Polizei.

Lula hatte Brasilien in den Jahren 2003 bis 2010 regiert. Im August kündigte er an, in die Politik zurückzukehren, um in der schweren politischen und wirtschaftlichen Krise seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff den Rücken zu stärken. Auch gegen Rousseff laufen Ermittlungen. Ihr wird vorgeworfen, ihren Wahlkampf des Jahres 2014 illegal mit Spenden von Zulieferern des Petrobras-Konzerns finanziert zu haben. Für Sonntag sind Massendemonstrationen für ihre Absetzung in Brasilien geplant.

In bisher 24 Phasen der 2014 begonnenen Untersuchung von Korruptionsermittlern kommen immer neue Details zutage. Parlamentspräsident Eduardo Cunha zum Beispiel steht unter Verdacht, fünf Millionen Dollar kassiert und auf Schweizer Konten deponiert zu haben. Der frühere Chef des Baukonzerns Odebrecht, Marcelo Odebrecht, war Mitte 2015 verhaftet worden und wurde Dienstag von dem für das gesamte Korruptionsverfahren zuständigen Richter Sérgio Moro zu 19 Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.