Die brasilianische Polizei hat das Haus und andere Besitztümer des früheren Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva durchsucht. Die Razzien stünden im Zusammenhang mit den Ermittlungen um den Korruptionsskandal beim Ölkonzern Petrobras, sagte ein Sprecher von Lula. Der Ex-Präsident selbst spreche mit Ermittlern auf der Polizeiwache am Internationalen Flughafen von São Paulo.

Unter anderem soll ein Luxusappartment Lulas an der Atlantikküste mit Schmiergeldern finanziert worden sein. Der 70-Jährige und seine Nachfolgerin Dilma Rousseff bestreiten bisher jede Verwicklung in den Petrobras-Skandal, der seit Monaten die brasilianische Politik belastet. Insgesamt sollen Unternehmer mehr als zwei Milliarden Euro gezahlt haben, um an Aufträge des Staatskonzerns zu kommen. Ein Teil des Geldes soll bei politischen Parteien gelandet sein, auch bei der Arbeiterpartei von Rousseff. Ihre Zustimmungswerte liegen nur noch bei zehn Prozent. Auch die Wirtschaftsleistung des Landes brach aufgrund des Skandals 2015 um 3,8 Prozent ein – es droht die schlimmste Rezession seit 1930. 

Erst vor wenigen Tagen hatte Senator Delcídio Amaral, Mitglied der linken Arbeiterpartei Lulas, ihm vorgeworfen, über ein illegales Bestechungssystem vollständig im Bilde gewesen zu sein. Seit März 2014 ermittelt die Bundespolizei im Rahmen der Operation Lava Jato (Autowäsche) gegen führende Manager und Politiker des fünftgrößten Landes der Welt. Es ist der größte Korruptionsskandal in dessen Geschichte. Die brasilianische Staatsanwaltschaft hatte kürzlich mitgeteilt, Korruptionsermittlungen gegen Lula aufgenommen zu haben.

In seinem Fall geht es in erster Linie darum, ob er sich Vorteile für sich, seine Arbeiterpartei oder seine Regierung verschafft hat. Nach Aussagen von Managern sollen bei überhöhten Vertragsabschlüssen des  Petrobras-Konzerns mit anderen Firmen, zum Beispiel für den Bau von Bohrplattformen, über Jahre hinweg mehrere Prozent der Vertragssumme an die Arbeiterpartei, aber auch an andere Parteien gegangen sein. Der Oberste Gerichtshof hat gerade erst einen Prozess gegen den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Eduardo Cunha, eröffnet. Ihm wird die Annahme von fünf Millionen Dollar an Schmiergeldern vorgeworfen.

Durchsucht wurden am Freitag den Angaben zufolge unter anderem Lulas Apartment in São Bernardo do Campo im Großraum von São Paulo sowie sein Instituto Lula, eine gemeinnützige Stiftung. Auch im Haus eines seiner Söhne lief den Angaben zufolge eine Razzia ab. In zwei Jahren will Lula möglicherweise wieder für das Präsidentenamt kandidieren, wie er kürzlich sagte.