In Brasilien ist die Regierungskoalition von Präsidentin Dilma Rousseff geplatzt. Ihr wichtigster Koalitionspartner, die rechtsliberale Partei der demokratischen Bewegung (PMDB), verkündete den sofortigen Austritt aus dem Bündnis mit Rousseffs linker Arbeiterpartei (PT).

Die PMDB zieht auch ihre verbliebenen sechs Minister aus der Regierung zurück. Henrique Alves hatte bereits am Montag bereits seinen Rücktritt als Tourismusminister eingereicht. Die von Vizepräsident Michel Temer geführte PMDB war seit 2003 Partner der regierenden PT.

Mit dem Bruch der Koalition verschärft sich die tiefe politische Krise des Landes. Das könnte die drohende Amtsenthebung von Rousseff wahrscheinlicher machen. Als Vizepräsident würde PMDB-Chef Temer Rousseff automatisch an der Staatspitze nachfolgen, wenn sie durch das Parlament abgesetzt würde.

Rousseff steht derzeit unter großem Druck. Regierungsgegner fordern regelmäßig bei Massenprotesten ihren Rücktritt. Das Parlament hatte ein Amtsenthebungsverfahren Mitte des Monats mit der Bildung einer Sonderkommission auf den Weg gebracht. Für eine Anklageerhebung müssen zwei Drittel der Abgeordneten stimmen, danach entscheidet der Senat über die Amtsenthebung. Die Abstimmung wird Mitte April erwartet.

Rousseff wird unter anderem für die schlimmste Rezession in Brasilien seit Jahrzehnten verantwortlich gemacht. Darüber hinaus gibt es Korruptionsvorwürfe, ein Großteil davon ist mit den Geschäften des Ölkonzerns Petrobras verknüpft.