Polizisten und Soldaten am Hauptbahnhof Brüssel © Christian Hartmann/Reuters

"Wir fühlen uns weiterhin sicher. Wir setzen unsere Arbeit fort. Die Verantwortung für die Sicherheit liegt bei den belgischen Behörden" – mit diesen tapferen Worten begrüßt der Sprecher der EU-Kommission am Dienstag die wenigen Journalisten, die sich Stunden nach den Anschlägen ins Herz des Europaviertels vorgewagt haben. Wäre es nach den belgischen Sicherheitsbehörden gegangen, hätten alle in ihren Büros oder zu Hause bleiben sollen. Gleichzeitig wurden der Brüsseler Justizpalast und das föderale Parlament geräumt. Die Schüler wiederum ließ man nicht auf die Straße, der öffentliche Nahverkehr wurde komplett gestoppt.

Auch im Gebäude der EU-Kommission geht es den ganzen Dienstag über chaotisch zu. Nach der Mittagskonferenz versperrt der private Sicherheitsdienst alle Ausgänge. Woher die Anweisung kommt, ist unklar. Kurzzeitig sitzen die Journalisten fest und fühlen sich in der Falle. Niemand kann eine Logik dahinter erkennen, dass manche Gebäude geräumt werden, aus sämtlichen Schulen und den EU-Institutionen aber niemand hinaus darf.

Seit November, spätestens aber seit der Verhaftung Salah Abdeslams am letzten Wochenende in Molenbeek, rechneten in Brüssel viele mit dem Schlimmsten – nur die Sicherheitskräfte schienen von den Ereignissen überrumpelt und überfordert zu sein. Ein einheitlicher Notfallplan, nach dem sich Polizei und Militär richten würden, ist nirgendwo erkennbar.

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Der Sicherheitsapparat hat versagt

Fahndungspannen und Kommunikationsprobleme bei der Terrorabwehr gibt es auch in anderen europäischen Ländern. Doch in Belgien, das zeigte sich spätestens nach den Pariser Attentaten im November, funktioniert der Sicherheitsapparat ganz besonders schlecht. Monatelang konnte sich der dringend gesuchte Verdächtige Salah Abdeslam in seiner alten Nachbarschaft in Molenbeek verstecken, bevor er vergangenes Wochenende gefasst wurde. Amateurvideos legen nahe, dass viele Anwohner genau wussten, wer sich in dem von der Gemeinde verwalteten Mehrfamilienhaus aufhielt.  

Schon vorher war Molenbeek, mit knapp 100.000 Einwohnern eine der kleinsten der 19 Brüsseler Kommunen, als Meldeadresse von Terrorverdächtigen mehrfach in Polizeiberichten aufgetaucht. Der inzwischen abgewählte sozialistische Bürgermeister soll eine Kultur des Wegschauens gepflegt haben.