Die Vereinten Nationen (UN) beklagen eine katastrophale Menschenrechtslage in Südsudan. Laut eines Berichts des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte gebe es in dem Land unzählige Gewalttaten, die wahrscheinlich als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen sind. Die Verbrechen würden systematisch verübt und sich jeweils gegen bestimmte ethnische Gruppen richten. "Dies ist eine der furchtbarsten Menschenrechtslagen auf der Welt", sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein.

Die UN beschuldigen vor allem die Regierung einer Politik der verbrannten Erde und der systematischen Vergewaltigung und Ermordung von Zivilisten. Zwar hätten beide Seiten Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Im vergangenen Jahr hätten jedoch die Truppen von Präsident Salva Kiir und verbündete Milizen die größte Schuld auf sich geladen.

In dem Dokument gebe es "erschütternde Berichte" über das Schicksal von Zivilisten, die verdächtigt worden seien, auf der Seite der Opposition zu stehen, hieß es. Sie seien "bei lebendigem Leibe verbrannt, in Containern erstickt, an Bäumen erhängt und in Stücke gehackt worden". In einem Fall hätten Regierungstruppen 60 Hirten zusammengetrieben und in einen Container auf dem Gelände einer katholischen Kirche eingeschlossen. Innerhalb von zwei Tagen seien alle bis auf einen erstickt.

"Jenseits des internationalen Radars"

Die Gewalt richtet sich laut UN vor allem gegen Frauen. Al-Hussein zufolge sei der Einsatz von Vergewaltigungen als Mittel des Krieges von der Weltöffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen worden. Aus dem Zeitraum von April bis September 2015 lägen Hinweise auf mehr als 1.300 Vergewaltigungen allein aus dem Bundesstaat Unity vor, hieß es in dem Bericht.

Tausende von Frauen und Mädchen seien äußerst brutalen Massenvergewaltigungen ausgesetzt, oft würden ganze Horden über Frauen herfallen. Mit der Regierung verbündete Gruppen hätten statt Sold die Erlaubnis erhalten, Frauen zu missbrauchen. In einem Fall hätten sich Soldaten darüber gestritten, ob sie ein sechsjähriges Mädchen vergewaltigen sollten. Schließlich hätten sie das Kind erschossen.

Südsudan ist erst vor knapp fünf Jahren als eigener Staat entstanden. Seit Ende 2013 herrscht in dem Land Bürgerkrieg – eine Krise "mehr oder weniger jenseits des internationalen Radar", wie UN-Hochkommissar Al-Hussein beklagt. Bislang wurden in dem Konflikt Zehntausende getötet, rund 2,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht.