Der Prozess gegen die regierungskritischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül in der Türkei wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit weitergeführt. Das hat das Gericht in Istanbul am ersten Verhandlungstag am Freitag entschieden, berichteten Prozessbeobachter. Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, nannte die Entscheidung auf Twitter "feige und unwürdig". Dündar ist Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet, Gül der Hauptstadtkorrespondent der Zeitung.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA wurden Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und der türkische Geheimdienst MIT als Nebenkläger zugelassen. Dündar und Gül stehen unter anderem wegen Spionage und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor Gericht.

Dündar und Gül wurden Ende November festgenommen, weil sie Berichte über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien veröffentlicht hatten. Staatschef Recep Tayyip Erdoğan stellte persönlich Strafanzeige. Nach drei Monaten in Untersuchungshaft kamen die Journalisten auf Anordnung des Verfassungsgerichts Ende Februar vorläufig frei.

"Wir werden den Journalismus verteidigen und das Recht der Öffentlichkeit, die Wahrheit zu erfahren", sagte der 54-jährige Dündar vor Prozessbeginn. Vor dem Gerichtsgebäude protestierten 200 Demonstranten gegen die Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei. Den beiden Journalisten droht eine lebenslange Haft.

Für Dündar hat der Druck auf die Presse in der Türkei in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. "Die Türkei war noch nie ein Paradies für Journalisten. Aber ehrlich gesagt haben wir nicht einmal in militärischen Putschzeiten einen derart intensiven Druck erlebt", sagte Dündar selbst vor dem Prozess.

Der Fall der beiden Journalisten gilt als Beispiel für die zunehmende Unterdrückung der Pressefreiheit in der Türkei. Der Europarat und mehrere internationale Journalistenverbände kritisierten die Inhaftierungen. Auf einer Rangliste zum Stand der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt die Türkei auf Platz 149 von 180 Staaten. Zahlreiche weitere Journalisten sind in dem Land inhaftiert.