Brasilien - Massenproteste gegen Präsidentin Rousseff Bei landesweiten Protesten gegen Korruption gingen laut Schätzungen der Polizei rund drei Millionen Menschen auf die Straßen.

Mehr als drei Millionen Brasilianer haben am Sonntag in mehreren Städten für die Absetzung von Präsidentin Dilma Rousseff demonstriert. Allein in São Paulo, einer Hochburg der Opposition, gingen nach Polizeiangaben 1,4 Millionen Menschen auf die Straße. Weitere Demonstrationen fanden in der Hauptstadt Brasília und in Dutzenden anderen Städten des Landes statt. Überall machten die Menschen lauthals ihrem Ärger über eine riesige Korruptionsaffäre um den Ölkonzern Petrobras sowie die schlimmste Rezession in Brasilien seit Jahrzehnten Luft.

Erstmals seit Beginn der Proteste gegen Rousseff beteiligten sich die Oppositionsparteien aktiv an den Demonstrationen. Die rechte Opposition hofft, durch die Massenproteste den Druck auf die Abgeordneten zu erhöhen, damit diese für eine Amtsenthebung der Präsidentin stimmen. Rousseffs Mandat läuft regulär bis Ende 2018.

Die Zustimmungswerte der linksgerichteten Staatschefin liegen mittlerweile nur noch bei knapp zehn Prozent, für ihre Amtsenthebung sind laut Umfragen etwa 60 Prozent der Brasilianer.

Die konservative Opposition wirft Rousseff vor, ihren Wahlkampf 2014 illegal mit Spenden von Zulieferern des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras finanziert zu haben. Das könnte dazu führen, dass Rousseffs Wiederwahl von 2014 für ungültig erklärt wird. Im Korruptionsskandal wird insgesamt gegen 57 Politiker ermittelt, denen vorgeworfen wird, Aufträge gegen Schmiergelder vergeben zu haben. Auch Rousseffs Amtsvorgänger und Förderer Luiz Inácio Lula da Silva droht eine Anklage.

Außerdem soll sie den Haushalt 2014 sowie im ersten Halbjahr 2015 geschönt haben. Ein Gericht erklärte den Etat im vergangenen Oktober wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten für illegal. Das Oberste Bundesgericht stoppte ein Amtsenthebungsfahren gegen Rousseff jedoch vorläufig.

Proteste gegen ganze politische Klasse

"Wir befinden uns in einem entscheidenden Moment für unser Land", sagte Rogerio Chequer, ein Anführer der Organisation Vem Pra Rua, die die Proteste in São Paulo mitorganisierte. "Wir werden jetzt mit dem Wandel starten."

Die Demonstranten richteten sich nicht nur gegen gegen Rousseff und deren Arbeiterpartei, sondern gegen die gesamte politische Klasse. "Natürlich will ich, dass Rousseff rausgeschmissen wird", sagte die 75 Jahre alte Demonstrantin Maria de Lima Pimenta in Rio. "Aber dann kommt das Problem, wer wird sie ersetzen? Sie sind alle Gauner."