In der türkischen Hafenstadt Izmir verkaufen sich Schwimmwesten gut. © Umit Bektas /Reuters

Die Türkei hat die EU-Staaten mit einem Vorschlag überrascht, der die gefährlichen Überfahrten von Flüchtlingsbooten über die Ägäis stoppen soll. Das Land will künftig alle Flüchtlinge, die von seinem Territorium aus mithilfe von Schleusern auf die griechischen Inseln gelangen, zurücknehmen. Im Gegenzug soll die EU in der Türkei registrierte syrische Flüchtlinge aufnehmen. Konkret: Für jeden Syrer, der aus Griechenland in die Türkei zurückkehrt, soll ein anderer Syrer in die EU reisen dürfen. Letztlich soll das Flüchtlinge davon abhalten, sich in die Hände von Schleusern zu begeben und auf dem Meer ihr Leben zu riskieren.

Wie das alles praktisch funktionieren soll, erklärte die Türkei noch nicht. Und auch in Berlin gab es darauf am Dienstag noch keine Antwort. "Die Vorschläge der Türkei müssen nun zunächst innerhalb der EU beraten und in Beschlüsse umgesetzt werden", sagte eine Regierungssprecherin dem Tagesspiegel. Danach werde über die Umsetzung gesprochen.

EU-Gipfel - Merkel nennt Einigung mit Türkei "Durchbruch" in der Flüchtlingskrise Die EU und die Türkei haben Fortschritte bei der Lösung der Flüchtlingskrise erzielt. Die Türkei will illegal eingereiste Flüchtlinge zurücknehmen, wenn die EU ihr Gegenleistungen gewährt.

Familien bevorzugt

Als Vorbild könnten Programme des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) dienen, über die weltweit jedes Jahr rund 80.000 Flüchtlinge umgesiedelt werden, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren können und auch nicht an ihrem ersten Fluchtort bleiben können. Letztlich sind dies Auswanderprogramme. Aufnahmeländer sind vor allem die USA, Kanada und Australien.

Neuerdings gibt es auch eine Art Lightversion des Programms, humanitäres Aufnahmeprogramm genannt. Hier geht es zunächst um eine zeitlich befristete Aufnahme, die jedoch verlängert oder auch in einen dauerhaften Aufenthaltsstatus münden kann. Auch syrische Flüchtlinge haben davon bereits profitiert.

Dafür sucht der UNHCR, der beispielsweise im Libanon und in Jordanien syrische Flüchtlinge registriert, anhand seiner Daten geeignete Kandidaten aus und liefert den Aufnahmestaaten Listen mit Vorschlägen. "Die treffen dann anhand eigener Kriterien eine Auswahl", erklärt Stefan Telöken, der deutsche Sprecher des UNHCR. Mögliche Kriterien seien unter anderem, ob schon Familienangehörige im Aufnahmeland leben, ob jemand gesundheitliche Probleme hat oder schwer traumatisiert ist. "Oft werden auch Familien mit Kindern oder unbegleitete Minderjährige bevorzugt berücksichtigt."

Die Aufnahmeländer schicken meist Delegationen, die vor Ort Interviews mit Flüchtlingen führen. Manche entscheiden aber auch anhand der UNHCR-Listen. Dass manche Länder gezielt Flüchtlinge mit bestimmten beruflichen Qualifikationen auswählen, also das wirtschaftliche Eigeninteresse in den Vordergrund stellen, wollte Telöken nicht bestätigen.