Die Verhandlungen zwischen der Türkei und den EU-Staaten befindet sich offenbar in der entscheidenden Phase. Laut EU-Diplomaten akzeptiert das Land die letzte Version des Entwurfs über ein Abkommen in der Flüchtlingskrise. Demnach sieht die Vereinbarung bei den Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU auch Gespräche zum Staatshaushalt und sonstigen Finanzen bis Ende Juni vor. Über weitere Bereiche solle danach gesprochen werden. Die EU-Kommission soll zudem innerhalb einer Woche eine Liste von Projekten vorlegen, heißt es aus den Kreisen. Der Entwurf muss nun noch von den 28 Staats- und Regierungschefs der EU akzeptiert werden. EU-Ratschef Tusk empfahl den Staaten, das Abkommen so anzunehmen.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hatte sich vor dem Beginn der Verhandlungen optimistisch gezeigt. "Ich bin sicher, dass wir unser Ziel erreichen werden, sowohl allen Flüchtlingen zu helfen als auch die Türkei-EU-Beziehungen zu vertiefen." Das nannte er "eine gute Nachricht für unseren Kontinent und die Menschlichkeit insgesamt".

Der letzte bekannte Entwurf des Abkommens sieht zwei wichtige Änderungen vor. Erstens soll die Vereinbarung bereits ab dem 20. März, also dem kommenden Sonntag, gelten. Ein zweiter interessanter Zusatz ist, dass der sogenannte 1:1-Mechanimus ausgesetzt werden soll, wenn das Limit von 72.000 Plätzen erreicht ist. Für jeden Syrer, der so in die Türkei kommt, soll ein Syrer legal in die EU reisen dürfen. Dadurch sollen Anreize für die Flüchtlinge geschaffen werden, sich um ein legales Ticket nach Europa zu bewerben. Für diesen Weg sollen zunächst 18.000 Plätze zur Verfügung stehen, diese könnten später um weitere 54.000 Plätze ergänzt werden.

"Für uns, für die Türkei ist das Flüchtlingsthema keine Frage des Handelns, sondern ein Thema von Werten – sowohl von humanitären Werten als auch von europäischen Werten", sagte Davutoğlu. Sein Land habe bisher 2,7 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, "ohne irgendwoher signifikante Unterstützung zu erhalten".

Die Europäische Union sei bereit, die Türkei mit mehr Geld zu unterstützen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Es gibt eine grundsätzliche Bereitschaft, weiteres Geld zur Verfügung zu stellen." Die Türkei könnte laut dem Einigungsdokument weitere drei Milliarden Euro erhalten – aber erst, wenn die schon zugesagten drei Milliarden aufgebraucht sind.

Die Türkei fordert auch politische Zugeständnisse. So sollen der Beitrittsprozess zur Europäischen Union beschleunigt und die Visumspflicht abgeschafft werden. Dabei sei sein Land zu wenig Kompromissen bereit, sagte der türkische Europaminister, Volkan Bozkır, der regierungsnahen Zeitung Daily Sabah. "Im Falle einer teilweisen Annahme wird der Deal vom Tisch sein."