Türkische Polizisten nahe des Tatorts in der İstiklâl © Burak Kara/Getty Images

Bei einem Selbstmordanschlag in der türkischen Metropole Istanbul sind fünf Menschen getötet worden, darunter der Attentäter. Laut dem Istanbuler Gouverneur Vahip Şahin hat ein Attentäter in der Einkaufsstraße İstiklal eine Bombe gezündet. Mindestens 36 Menschen seien bei der Explosion verletzt worden, sagte Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoğlu. Darunter seien zwölf Ausländer.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts ist kein Deutscher unter den Opfern. Zuvor hatten mehrere Medien, darunter das Handelsblatt von einem verletzten deutschen Staatsbürger berichtet. Eine Sprecherin des Bundesaußenministerium wies diese Berichte zurück. Am späten Nachmittag veröffentlichte das Auswärtige Amt zudem einen aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweis. "Reisenden in Istanbul wird geraten, öffentliche Plätze, auch touristische Attraktionen und allgemein Menschenansammlungen in den nächsten Tagen zu meiden", hieß es darin. Zudem wird empfohlen, nicht den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.

Unter den Verletzten sollen laut Medienberichten sechs Israelis und zwei Iren sein sowie je eine Person aus Island, dem Iran und Dubai. Das israelische Außenministerium bestätigte, dass Israelis verletzt worden seien, nannte aber keine Details. Die türkische Nachrichtenagentur Doğan berichtete, dass zwei Kinder unter den Verletzten seien.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass türkische Sicherheitskräfte fünf Verdächtige festgenommen hätten. Die İstiklal Caddesi ist die größte Einkaufsstraße des Istanbuler Bezirks Beyoğlu, der für seine Liberalität und sein lebendiges Nachtleben bekannt ist. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu berief nach dem Anschlag ein Sicherheitstreffen ein.

Erste Indizien legten nahe, dass der Anschlag von Mitgliedern der verbotenen Arbeiterpartei PKK ausgeführt wurde, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Regierungsmitarbeiter. Polizisten hätten den Angreifer abgeschreckt, sodass er nicht sein geplantes Ziel erreicht habe und die Bombe aus Angst zündete, sagte der Mitarbeiter. Die private türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete, es seien DNA-Proben von Familienmitgliedern zweier möglicher IS-Kämpfer genommen worden, die das Attentat verübt haben könnten. Offiziell bestätigt wurde dies nicht.

Das Auswärtige Amt hatte bereits am Donnerstag geraten, die Umgebung des Generalkonsulats zu meiden. Die diplomatische Vertretung befindet sich ebenfalls in dem Bezirk Beyoğlu. Außerdem wurde die deutsche Schule geschlossen, die sich in einer Nebenstraße der İstiklal Caddesi befindet – etwa einen Kilometer entfernt vom Ort der Explosion. Darüber hinaus waren deutsche Staatsbürger gebeten worden, achtsam zu sein – auch am Montag, wenn das kurdische Neujahrsfest Newroz gefeiert wird.

Terrorismus - Selbstmordanschlag in Istanbuler Einkaufsstraße Ein Selbstmordattentäter hat im Zentrum Istanbuls eine Bombe gezündet und dabei mehrere Menschen getötet. Seit Donnerstag sind deutsche Vertretungen in der Türkei wegen Anschlagsgefahr geschlossen.

Am vergangenen Sonntag waren in der Hauptstadt Ankara bei einem Anschlag 37 Menschen getötet und 125 verletzt worden. Auf ihrer Internetseite bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans (Tak) zu dem Anschlag. In dem Schreiben hieß es, Ziel sei es nicht gewesen, Zivilisten zu töten. Die Polizei habe jedoch interveniert, deshalb sei es zu zivilen Opfern gekommen. Die Gruppe hat sich nach eigenen Angaben von der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK abgespalten. 

In den vergangenen Monaten hatte es mehrere Anschläge gegeben. Der schlimmste ereignete sich vergangenes Jahr am 10. Oktober in Ankara. Während Tausende Kurden vor dem Hauptbahnhof demonstrierten, explodierten mehrere Bomben. 103 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Die türkische Regierung machte damals Terroristen des "Islamischen Staates" für den Anschlag verantwortlich.