Ungarische Soldaten am Grenzzaun zu Serbien © Sandor Ujvari/EPA/dpa

Ungarn hat 2015 im Vergleich zur Bevölkerung die meisten Asylbewerber im Land gehabt – nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat handelt es sich um 17,7 Asylbewerber auf 1.000 Einwohner. Das osteuropäische Land hat damit Schweden (16 Asylbewerber pro 1.000 Einwohner) überrundet, das ein Jahr zuvor noch die Spitzenposition innehatte. An dritter Stelle folgt Österreich (zehn/1.000), danach Norwegen, Finnland und dann auf Rang sechs Deutschland mit 5,4 Asylbewerbern pro 1.000 Einwohner.  Das ist weniger als ein Drittel der Quote in Ungarn. Die Schweiz als Nicht-EU-Land liegt auf Platz sieben, wie der Mediendienst Integration auflistet.  


Ungarn ist einer der größten Kritiker der von Bundeskanzlerin Angela Merkel mitgestalteten EU-Flüchtlingspolitik. Es gehört zu einer Gruppe von Staaten, die eine Klage gegen den Flüchtlingsverteilmechanismus innerhalb der EU angedroht hatten. Durch den Bau eines Zaunes ist die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge in Ungarn seit September 2015 stark zurückgegangen. 

Flüchtlingspolitik - Seehofer und Orbán plädieren für Einreisebeschränkungen CSU-Chef Seehofer hat in Budapest gefordert, die Zahl der Migranten an den EU-Außengrenzen zu begrenzen. Orbán betonte, dass in Ungarn kein Platz für Flüchtlinge sei.

2014 hatte Ungarn mit 4,3 Asylbewerbern noch deutlich hinter Schweden gelegen (8,4). Dann folgten Österreich, Malta, die Schweiz, Dänemark und Norwegen mit Werten zwischen zwei und drei Asylbewerbern pro 1.000. Die Zahl der Asylbewerber pro Bevölkerungsanteil zeigt am besten, wie stark die Gesellschaft des jeweiligen Landes von der Flüchtlingskrise betroffen ist.

In absoluten Zahlen sieht es jedoch anders aus: Betrachtet man die Gesamtzahl, liegt Deutschland 2015 mit 477.000 Asylanträgen vorn, gefolgt von Ungarn mit 177.000, Schweden mit 163.000 und Österreich (88.000). Auf Rang fünf und sechs folgen Italien und Frankreich. 

In Deutschland hatten sich 2015 etwas mehr als eine Million Menschen als Flüchtlinge registriert. Nur ein Bruchteil aber bleibt wirklich in Deutschland: 2015 erhielten lediglich 141.000 Menschen einen Schutzstatus, weil ihr Antrag bewilligt wurde, analysierte der Mediendienst Integration.

Hinzu kommen Menschen, die bereits zuvor als Asylsuchende nach Deutschland gekommen waren und bereits länger als Flüchtlinge hier leben. Das sind nach Angaben der Bundesregierung etwa 450.000 Menschen mit unterschiedlichen Aufenthaltsstatus. Zudem leben in Deutschland weitere 155.000 Geduldete, deren Asylantrag abgelehnt wurde und die dennoch das Land nicht verlassen konnten oder haben.