Mazedonische Polizisten sichern die Grenze nahe Gevgelija. © Dimitar Dilkoff/AFP/Getty Images

Weil der Andrang der Flüchtlinge in Griechenland nicht nachlässt, will Österreich Mazedonien bei der Sicherung seiner Grenze unterstützen. Die Regierung in Wien prüfe, "ob wir mit technischem Geräten helfen können, beispielsweise mit Nachtsichtgeräten", sagte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil der Welt. "Die Westbalkanroute muss unbedingt geschlossen gehalten werden."

Mazedonien leiste mit der Sicherung seiner Grenzen "enorm viel für die gesamte Europäische Union" und sollte aus Brüssel stärker finanziell unterstützt werden, sagte er. Für die Lage im Flüchtlingscamp von Idomeni auf der griechischen Seite der Grenze machte Doskozil die EU-Kommission verantwortlich: "Wären die längst gefassten Beschlüsse des Europäischen Rats, das heißt Hotspots, Kontrolle, Registrierung und europäische Verteilung, bereits umgesetzt, hätten wir eine völlig andere Situation."

In Idomeni sitzen mehr als 10.000 Menschen unter erbärmlichen Bedingungen fest. Sie hoffen auf die Öffnung der mazedonischen Grenze – was derzeit nicht zu erwarten ist. Etwa 1.500 Männer, Frauen und Kinder, die am Montag durch einen Fluss auf die mazedonische Seite gekommen waren, wurden am Dienstag von mazedonischen Soldaten wieder nach Griechenland zurückgebracht.

Idomeni - Dramatische Szenen bei Flussüberquerung von Flüchtlingen Bis zu 2.000 Migranten sind am Montag trotz geschlossener Grenze von Griechenland aus auf mazedonisches Gebiet vorgedrungen. Szenen von der Flussüberquerung

Die Route der Flüchtlinge werde sich nun verlagern, prognostizierte Doskozil und forderte mehr Unterstützung für Bulgarien, das mit seiner langen Grenze zur Türkei "ein möglicher betroffener Staat" sei. "Im Grenzraum halten sich auf türkischer Seite zwischen 400.000 und 500.000 Migranten auf", sagte Doskozil. Bulgarien solle daher bei einem Abkommen mit der Türkei "genauso behandelt werden wie Griechenland".

Beim EU-Gipfel ab Donnerstag in Brüssel soll eine Vereinbarung über einen türkischen Vorschlag aus der vergangenen Woche erzielt werden. Ankara hatte überraschend angeboten, alle neu ankommenden Flüchtlinge aus Griechenland zurückzunehmen. Für jeden so abgeschobenen Syrer soll die EU einen syrischen Flüchtling aus der Türkei auf legalem Weg aufnehmen. Als Gegenleistung verlangt die Türkei unter anderem die Beschleunigung der EU-Beitrittsgespräche und ab Juni Visafreiheit für ihre Bürger.

Die CSU lehnt das entschieden ab. "Wir wollen keine vollständige Visafreiheit für 75 Millionen Türken", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer im ZDF-Morgenmagazin und begründete das mit der Sicherheitslage in der Türkei. Man könne lediglich über Erleichterungen sprechen. Scheuer sagte, seine Partei unterstütze Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "bei europäischen und internationalen Bemühungen". Allerdings sei in der CSU die Skepsis groß, dass diese schnell und wirksam kämen. "Alle Beschlüsse, die in der Europäischen Union gemacht wurden, haben entweder lange Zeit gebraucht oder sie sind nicht wirksam umgesetzt worden." Am Mittag wird Merkel im Bundestag eine Regierungserklärung zur Flüchtlingskrise abgeben.