Brüssel: Zwei Täter waren auch an Pariser Anschlägen beteiligt

Die Anschläge von Brüssel und Paris wurden offenbar von einer Terrorzelle verübt. Zwei belgische Minister boten ihren Rücktritt an. Das Live-Blog zum Nachlesen

Die belgischen Behörden haben nach den Anschlägen in Brüssel vom Dienstag drei Selbstmordattentäter identifiziert: Khalid El Bakraoui, sein Bruder Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui. Bei zwei von ihnen sind Verbindungen zu den Anschlägen in Paris vom November bekannt. Khalid El Bakraoui hat laut belgischer Staatsanwaltschaft eine Wohnung in Brüssel angemietet, die der Pariser Terrorzelle als Versteck gedient hat. Najim Laachraoui soll laut Behörden am Bau von Bomben beteiligt gewesen sein, die bei den Anschlägen in Paris eingesetzt wurden.

Die Polizei in Belgien fahndet nach zwei weiteren mutmaßlichen Tätern der Angriffe von Brüssel. Einer soll an dem Anschlag auf die Metro beteiligt gewesen sein. Nach ihm wird seit dem Donnerstagmorgen gesucht. Ein weiterer Mann – auf dem Foto vom Flughafen zu sehen mit weißer Jacke und Hut – wird seit Dienstag gesucht.

Bei den Anschlägen sind nach offiziellen Angaben 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt worden. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" bekannte sich zu den Attacken. Der Ausnahmezustand in Belgien besteht weiter, der Flughafen bleibt bis mindestens Ostersonntag geschlossen.

Als Konsequenz aus den Anschlägen forderte Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière eine bessere Zusammenarbeit der EU-Staaten bei der Terrorbekämpfung. Die EU-Innenminister beraten zu dem Thema bei einem Treffen in Brüssel. 

Was wir bislang über die Anschläge wissen, lesen Sie hier. Lesen Sie hier alle Beiträge zum Thema. Eine Twitter-Liste finden Sie hier.

Orte der Anschläge in Brüssel

Flughafen Brüssel-Zaventem, Karte
Brüssel, Maelbeek, U-Bahn, Metrostation, Karte

  • 18:47 Uhr
    Ragnar Vogt

    Salah Abdeslam plante nach einem Bericht des belgischen Senders VRT in Brüssel einen ähnlichen Anschlag wie im November in Paris. Der mutmaßliche Terrorist war wenige Tage vor den Angriffen in Brüssel festgenommen worden. Er soll an den Anschlägen in Paris beteiligt gewesen sein. Laut dem TV-Sender gehen die Ermittler davon aus, dass Abdeslam und zwei weitere Personen Sturmgewehre einsetzen wollten, während andere sich in die Luft sprengen sollten.

  • 17:02 Uhr
    Ragnar Vogt

    Auch Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner fordert mehr Zusammenarbeit innerhalb der EU. Auf polizeilicher Ebene funktioniere sie zwar gut. Bei den Geheimdiensten hapere es aber. Sie plädierte für eine Datenbank, in die EU-Staaten Informationen eintragen und in Echtzeit abrufen könnten. "Ich bin davon überzeugt, dass man einen derartigen europäischen Gesamtverbund auch innerhalb einiger Wochen installieren kann."

  • 14:54 Uhr
    Ragnar Vogt

    Bisher gab es nur inoffizielle Informationen, nun haben es die belgischen Behörden bestätigt: Der Brüsseler Selbstmordattentäter Khalid El Bakraoui war auch an den Pariser Anschlägen beteiligt. Er habe für die Gruppe der Paris-Attentäter unter falschem Namen eine Wohnung im belgischen Charleroi gemietet, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Wohnung habe "der Terroristengruppe, die in die Anschläge von Paris verwickelt ist, als Versteck gedient". Die Wohnung sei am 9. Dezember vergangenen Jahres von der Polizei durchsucht worden.

  • 14:20 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Die Kollegen haben zusammengetragen und aktualisiert, was wir bisher über die Anschläge in Brüssel wissen – und was nicht.

  • 13:31 Uhr
    Karin Geil

    Belgiens Innenminister Jan Jambon hat seinen Rücktritt angeboten. Das berichtete der Sender VTM, das Kabinett bestätigte das Gesuch gegenüber der Nachrichtenagentur Belga.

    VTM zufolge hat Premier Charles Michel das Angebot aber abgelehnt.

    Über Jambons genauen Gründe weiß man nichts. Nur so viel: Die belgische Regierung steht unter Druck, nachdem bekannt geworden war, dass die Türkei bereits im Juli 2015 vor einem der Attentäter gewarnt hatte und der Mann zweimal aus der Türkei in Richtung Belgien abgeschoben worden war.

  • 13:17 Uhr
    Karin Geil

    Die Orbán-Regierung in Ungarn will sich neue Vollmachten zur Überwachung der Bürger geben. Geplant seien unter anderen das Abhören von Telefongesprächen, Lauschangriffe auf die Internetkommunikation und der Zugriff auf Bankkonten-Daten.

    Bereits im Januar hatte Orbán eine Verfassungsänderung initiiert, die die Regierung unter Berufung auf einen vage definierten Terrornotstand dazu ermächtigen würde, bürgerliche und demokratische Rechte weitgehend einzuschränken. Für entsprechende Änderungen braucht der Premier indes eine Zweidrittelmehrheit im Parlament – und die hat seine Partei Fidesz knapp nicht.

  • 12:47 Uhr
    Karin Geil

    Ein Foto von Ibrahim El Bakraoui, das ihn laut türkischen Behörden bei seiner Festnahme zeigen soll

    Einer der Brüsseler Attentäter war im Sommer 2015 in die Türkei gereist, wurde dort festgenommen und wieder ausgewiesen – soweit das bisher Bekannte. Nun zitiert Reuters einen türkischen Behördenvertreter, wonach dies Ibrahim El Bakraoui zweimal und kurz hintereinander passiert ist.

    Demnach reiste El Bakraoui im Juni erstmals in die Türkei und wurde im Süden der Türkei als "ausländischer Terrorkämpfer" festgenommen und schließlich im Juli über die Niederlande in sein Heimatland abgeschoben. Später, so die Vorwürfe von Präsident Erdoğan vom Mittwoch, hätten ihn die belgischen Behörden freigelassen, nachdem kein Terrorismusbezug festgestellt worden sei – trotz der türkischen Warnung, der Mann sei "ein ausländischer Kämpfer".

    Laut der Quelle von Reuters landete El Bakraoui am 11. August 2015 erneut in der Türkei, diesmal am Flughafen Antalya, und wurde zwei Wochen später abermals ausgewiesen. Wieder mit dem Hinweis, dass er in dem Verdacht stehe, ein ausländischer Kämpfer zu sein. Wie die der Regierung nahestehende Zeitung Yeni Safak berichtete, die Polizei habe Bakraoui festgenommen, weil er nach Syrien weiterreisen wollte.

    Belgiens Justizminister Koen Geens hatte diesen Vorwurf der Fahrlässigkeit bereits gestern zurückgewiesen.

  • 12:34 Uhr
    Sybille Klormann

    Mehr Personal, erhöhte Wachsamkeit: Vor dem Länderspiel Deutschland gegen England am Samstag in Berlin ist die Bundespolizei alarmiert. Ein Sprecher sagte: "Wir bereiten uns darauf vor, dass es ein Fußballspiel von besonders hohem Interesse ist." Sicherlich spielten die Ereignisse in Brüssel dabei eine Rolle, sagte er.

    Als große Anlaufstellen im Fokus stünden etwa der Bahnhof Zoo, der Alexanderplatz und natürlich das Olympiastadion. "Wir haben alle Einsatzkräfte noch einmal sensibilisiert", sagte er. Es gelte etwa, auf abgestellte Taschen zu achten und allgemeine Kontrollen durchzuführen.

  • 12:09 Uhr
    Sybille Klormann

    Die Spurensicherung am Flughafen Zaventem dauert länger als geplant. Jetzt wurde bekannt, dass der Flughafen noch bis mindestens Ostersonntag geschlossen bleiben soll. Reisende werden zu den Flughäfen in Antwerpen, Lüttich und in der nordfranzösischen Stadt Lille umgeleitet.

    Die Lufthansa hat sämtliche Flüge nach Brüssel bis Ostermontag gestrichen und transportiert Passagiere von Frankfurt aus per Bus in die belgische Hauptstadt. Bis Montag fallen nach Angaben des Unternehmens insgesamt 156 Flüge von Frankfurt und München nach Brüssel aus. Betroffen seien rund 12.300 Reisende.

  • 12:06 Uhr
    Karin Geil

    Es gibt Verbindungen zwischen den Attentätern von Paris und Brüssel, die belgischen Ermittlungsbehörden müssen sich auch deshalb viele Fragen stellen lassen. Etwa: Warum war das mutmaßliche lose Terrornetzwerk um Abdeslam, Laachraoui und die Brüder El Bakraoui in der Lage, einen zweiten Anschlag zu planen und durchzuführen? Doch auch Politiker und Behörden in ganz Europa dürften sich ertappt fühlen: Am Donnerstag gibt es ein weiteres Sondertreffen der EU-Innenministerneue und vermeintlich bessere Sicherheitsmaßnahmen liegen aber bereits seit den Anschlägen von Paris auf dem Tisch.

  • 11:44 Uhr
    Karin Geil

    Sind bei den Anschlägen am Dienstag auch Deutsche getötet worden? Die Bundesregierung hat diesbezüglich noch immer keine gesicherten Erkenntnisse. Nach allen bisher vorliegenden Informationen könne dies aber nicht ausgeschlossen werden, heißt es aus dem Auswärtigen Amt.

  • 11:44 Uhr
    Sybille Klormann

    Die Anschläge von Brüssel zeigen einmal mehr: Die Attentäter sind keineswegs Einzelkämpfer, sondern technisch versiert und gut organisiert. "Man hat die Dschihadisten zu lange unterschätzt", sagt der Politologe Asiem el Difraoui.

  • 11:42 Uhr
    Karin Geil

    Die Terrorzelle steckte nach belgischen Medienberichten auch hinter einem Spionageangriff gegen einen Atomforscher. Die beiden Selbstmordattentäter Ibrahim und Khalid El Bakraoui wurden nach Informationen der Tageszeitung La Dernière Heure als diejenigen Männer identifiziert, die eine heimlich vor dem Wohnhaus des Wissenschaftlers angebrachte Überwachungskamera abmontierten. Mit ihr waren Aufnahmen gemacht worden, die Anti-Terror-Fahnder im vergangenen November bei Ermittlungen zu den Terroranschlägen im Paris entdeckt hatten.

  • 10:44 Uhr
    Sybille Klormann

    Zwei Tage nach den Anschlägen in Brüssel suchen die Behörden unter Hochdruck nach einem zweiten, flüchtigen Verdächtigen. Offenbar gibt es erste Hinweise auf einen bislang unbekannten Angreifer, der neben dem bereits identifizierten Khalid El Bakraoui für den Anschlag in der Brüsseler Metro verantwortlich sein soll.

    Unklar ist, ob der Mann bei dem Anschlag auf die Metro getötet wurde oder auf der Flucht ist. Ein Polizeibeamter sagte der Nachrichtenagentur AFP, auf Überwachungsbildern sei ein zweiter Verdächtiger zu sehen, der eine große Tasche bei sich habe. Weiter sei zu sehen, wie El Bakraoui mit dem Verdächtigen spricht, dann aber allein in den Wagen steigt, in dem er sich in die Luft sprengte.

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