Polizeieinsatz im Brüsseler Bezirk Molenbeek © Dirk Waem/AFP/Getty Images

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hat angesichts der Terroranschläge in Brüssel von den Europäern größere Anstrengungen im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gefordert. Carter sagte dem US-Nachrichtensender CNN, die Ereignisse zeigten den Europäern, dass sie ihre Anstrengungen verstärken müssten, wie es die USA bereits in Syrien, im Irak und anderswo getan hätten. Es sei nicht damit getan, die Terrormiliz im Irak und Syrien zu besiegen. Die Anschläge in Brüssel bewiesen, dass der IS Sympathisanten habe, die Belgier oder Franzosen seien und dort lebten. Deshalb sei ein wichtiger Teil des Kampfes gegen den IS die innere Sicherheit sowie die Geheimdienst- und Polizeiarbeit.

Die US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton forderte von Europa ebenfalls mehr Engagement im Kampf gegen den Terrorismus. Die Angriffe in der belgischen Hauptstadt seien die jüngste brutale Erinnerung, dass mehr getan werde müsse, um die radikalislamische Miliz IS zu besiegen, sagte die Ex-Außenministerin. So sollten die europäischen Staaten mehr in Verteidigung und Sicherheit investieren. Clinton kritisierte, viele europäische Länder würden ihre Nachbarn nicht alarmieren, wenn sie mutmaßliche Dschihadisten an ihren Grenzen abwiesen oder wenn ein Pass von einem ihrer Bürger gestohlen werde.

Unterdessen schätzen Geheimdienste, dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) mindestens 400 Kämpfer für Anschläge in Europa ausgebildet hat. Terrorzellen wie diejenigen, die hinter den Attacken in Brüssel und Paris steckten, hätten die Order, selbst über Zeitpunkt, Ort und Methode ihres Angriffs zu entscheiden. Die Informationen stammen von europäischen und irakischen Geheimdienstlern sowie von einer französischen Abgeordneten.

Dieses Netzwerk halbautonomer Zellen unterstreiche den Einfluss des "Islamischen Staates" in Europa, obwohl er derzeit im Irak und Syrien in die Enge getrieben werde, hieß es.

Vor seinem Tod während einer Polizeirazzia hatte der mutmaßliche Organisator der Pariser Terrorserie vom 13. November 2015 gesagt, er sei mit einer multinationalen, aus 90 Kämpfern bestehenden Gruppe nach Europa eingereist. Die Festnahme des Verdächtigen Salah Abdeslam verhinderte die Attacken auf den Brüsseler Flughafen und die Metrostation Maelbeek nicht. Die Behörden fürchten daher nun, dass auch der wohl noch flüchtige Brüsseler Mittäter wie Abdeslam ein neues Netzwerk aufbauen könnte.

Geheimdienste schätzen die Zahl der für Angriffe im Ausland ausgebildeten IS-Kämpfer auf 400 bis 600. Rund 5.000 Europäer sind nach Behördenschätzungen nach Syrien gegangen.

Das Ziel des IS sei nicht bloß, so viele Menschen wie möglich umzubringen, sondern eher, so viele Angriffe wie möglich zu verüben, um den Feind zu immer weiteren Ausgaben im Anti-Terror-Kampf zu zwingen. Ein hochrangiger irakischer Geheimdienstmitarbeiter sagte, Mitglieder der hinter dem Pariser Terror stehenden Zelle hätten sich in Deutschland, Großbritannien, Italien, Dänemark und Schweden zerstreut.

Der Fraktionsvorsitzende der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, forderte unterdessen eine Neuorganisation der europäischen Sicherheitsarchitektur. "Kein Staat alleine kann diese Herausforderung lösen", sagte der CSU-Politiker der Zeitung Die Welt. Weber forderte die Einrichtung einer europäischen Terrorwarndatei mit einer Liste von Menschen, die unter Terrorverdacht stünden. Die europäische Polizeibehörde Europol müsse gestärkt werden.