Hillary Clinton auf einer Wahlkampfveranstaltung am 28. Februar 2016 in Nashville, Tennessee © Jonathan Ernst/Reuters

Als Donald Trump in den Medien und in Washington noch als Polit-Clown galt, der nach einigen Monaten nicht mehr als eine Fußnote des Wahlkampfes 2016 sein würde, belustigten sich viele Beobachter mit dem Gedanken, wie die Profipolitikerin Hillary Clinton den Amateur Trump problemlos abservieren würde.

Doch das dürfte sich, wie fast alles, was die Medien und Analysten über Trump zu wissen glaubten, als arrogante Fehleinschätzung erweisen. Nicht nur das republikanische Establishment muss Trump fürchten. Auch die Demokratin Hillary Clinton mit ihrer jahrzehntelangen Karriere in Washington und einer fast ebenso langen Reihe von Skandalen gibt eine gute Zielscheibe für Trumps Breitseiten ab.

US-Vorwahlen - Clinton und Trump triumphieren am Super Tuesday Im US-Präsidentschaftswahlkampf zeichnet sich ein Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump ab. Die Demokratin und der Republikaner konnten ihren Vorsprung an Delegierten am sogenannten Super Tuesday weiter ausbauen.

Da sind die Vorwürfe, als Außenministerin habe Clinton die Lage in Libyen falsch eingeschätzt und das Land destabilisiert. Schließlich versank Libyen im Chaos. Vier US-Bürger, darunter Chris Stevens, der von Clinton selbst eingesetzte Botschafter, kamen beim Sturm auf die Botschaft in Bengasi um. Die Republikaner attackieren Clinton deshalb kontinuierlich und werfen ihr strafbares Fehlverhalten vor. Bisher allerdings konnten sie Obamas ehemaliger Außenministerin nichts Konkretes nachweisen.

Allerdings kam bei der Untersuchung des Falls heraus, dass Hillary Clinton als Ministerin weiterhin ihr privates Mailkonto und eigene Server nutzte, statt wie vorgeschrieben die regierungseigene Infrastruktur. Inzwischen untersucht das FBI den Vorgang – für Trump ist das geradezu eine Einladung. Am Super Tuesday, als er seinen Erfolg bei sieben der elf Vorwahlen feierte, erklärte er: "Sie hat einen kriminellen Akt begangen. Ich wäre überrascht, wenn sie überhaupt antreten dürfte."

Elf Millionen Dollar von Banken und Konzernen

Doch so toxisch die Altlasten aus ihrer Zeit als Ministerin sind, fast noch problematischer sind Clintons Auftritte bei Unternehmen und vor allem Wall-Street-Institutionen. Allein im Jahr 2014 und bis Anfang 2015 verdiente sie laut ihrer Meldung bei der US-Bundeswahlbehörde elf Millionen Dollar mit 51 Reden wie etwa beim Online-Einzelhändler eBay und dem Tech-Infrastrukturriesen Cisco. Nach den üppigen Honoraren gefragt, verteidigte Clinton sich damit, dass "jeder das mache".

Tatsächlich ist es für ehemalige Regierungsmitglieder in den USA üblich und auch nicht anrüchig, sich ihre Pension durch solches Zubrot aufzubessern. Aber anders als Clinton wollen sie nicht Präsident werden und haben keine potenziellen Interessenkonflikte. "Das ist die Antwort eines trotzigen Kindes", mahnte selbst die ihr wohlgesonnene New York Times die Kandidatin.

Vor allem die Auftritte bei Goldman Sachs dürften sich für Clinton als Bumerang erweisen. Goldman Sachs ist jene Investmentbank, die für ihre Machenschaften während der Finanzkrise von der US-Börsenaufsicht SEC mit einer Buße von 550 Millionen Dollar belegt wurde. Es war die bis dahin höchste Buße in der Geschichte der SEC. Hillary Clinton erhielt von der Bank 675.000 Dollar an Honorar.

Jetzt will nicht nur ihr parteiinterner Rivale Bernie Sanders wissen, was Clinton den Bankern erzählt hat. Sogar Clintons eigene Unterstützer haben sie gebeten, Clinton solle die Mitschriften veröffentlichen, um den Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch sie weigert sich bisher. Ihre Begründung: Dann müssten auch alle anderen Kandidaten ihre Redetexte veröffentlichen. Bernie Sanders wäre damit schnell fertig: Laut seinen Wahlhelfern hat der selbst erklärte Sozialist, der versprochen hat, als Präsident die Banken zu zerschlagen, in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwei Vorträge gehalten – einen vor der Belegschaft eines Krankenhauses und einen bei einem College. Bei beiden soll das Honorar unter 1.000 Dollar gelegen haben.