Der britische Arbeitsminister Iain Duncan Smith hat sein Amt niedergelegt. Als Grund nannte der frühere Parteichef der Konservativen die geplanten Kürzungen der Sozialleistungen in Milliardenhöhe. Diese seien "nicht zu verteidigen", schreibt Duncan in seiner Rücktrittserklärung, die der Guardian veröffentlichte. "Ich kann nicht passiv dabei zusehen, wie selbst auferlegte Einschränkungen umgesetzt werden, die mir mehr und mehr politisch motiviert erscheinen, als dass sie im wirtschaftlichen Interesse des Landes stünden", heißt es darin.

Im Fokus von Smiths Kritik steht Finanzminister George Osborne. Der Schatzkanzler galt bisher als aussichtsreicher Kandidat für Camerons Nachfolge an der Parteispitze. Sein Reformentwurf sieht unter anderem vor, dass chronisch Kranke und Behinderte jährlich 1,3 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro) weniger erhalten. Die Vorsitzenden der Labourpartei und der Liberaldemokraten kritisieren die geplanten Kürzungen und forderten Osborne auf, ebenfalls zurückzutreten.

Smith gehört zu den Ministern aus Camerons Kabinett, die offen für den Austritt Großbritanniens aus der EU werben. Wegen der bevorstehenden Abstimmung über den sogenannten Brexit im Juni spitzt sich die dortige Regierungskrise zu. Der Rücktritt ist ein weiterer Rückschlag für Cameron, der nun das Kabinett umbilden muss.

Er sei "verwirrt und enttäuscht", teilte der Premierminister in einer Reaktion mit. Verteidigungsminister Michael Fallon sagte, über den Haushalt habe sich das ganze Kabinett verständigt, Smith eingeschlossen. Die Vorschläge seien zudem aus dem Arbeitsministerium gekommen.

Die Sozialreform soll trotz des Rücktritts fortgesetzt werden. Die Nachfolge Smiths tritt der bisher für Wales zuständige Minister Stephen Crabb an.