Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat gefordert, das Flüchtlingslager nahe des griechischen Dorfes Idomeni zu räumen. Nach dem Treffen der türkischen Regierung mit den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union sagte Asselborn, es sei klar, dass die erste Aufgabe sein muss, die Menschen in Idomeni in Busse zu setzen und in menschenwürdige Auffanglager in Griechenland zu bringen. "Diese Bilder müssen weg, das ist ganz klar."

In Zelten nahe Idomeni schlafen mehr als 10.000 Menschen – unter ihnen viele Frauen und Kinder. Sie warten darauf, dass die mazedonische Regierung sie einreisen lässt. Doch seit dem 7. März ließ sie keine Flüchtlinge mehr in ihre Land. Die Grenzen entlang der sogenannten Balkanroute werden nach der Vereinbarung zwischen Türkei und EU geschlossen bleiben. Denn die Einigung sieht vor, dass ab Sonntag Flüchtlinge, die auf den griechischen Inseln ankommen, in die Türkei zurückgeschickt werden.

Die griechischen Behörden versuchen bereits, Flüchtlinge davon zu überzeugen, Idomeni zu verlassen und in Lager der Regierung zu gehen. Polizisten verteilen Flugblätter, auf denen steht: "Die Grenzen sind geschlossen. In den Lagern erhalten Sie Essen und Schutz. Vertrauen Sie nicht unverantwortlichen Menschen, die Sie gefährden. Setzen Sie sich nicht grundlos Unannehmlichkeiten aus." Die griechische Regierung will 14 neue Lager im gesamten Land bauen.

Amnesty International kritisierte, wie die Europäische Union handelt. John Dalhuisen, Programmleiter für Europa und Zentralafrika, sagte: "Die Versprechen, das Völkerrecht zu respektieren, passen nicht zu der vereinbarten Rückschickung aller Flüchtlinge in die Türkei." Das Land sei für Flüchtlinge und Migranten kein sicherer Staat. Jede Vereinbarung, die auf dieser Annahme gemacht werde, sei fehlerhaft, illegal und unmoralisch.

In Griechenland halten sich momentan mehr als 47.000 Flüchtlinge auf. Tag für Tag bringen Fähren Menschen von den Inseln in die Häfen des Festlands. In Piräus kamen am Freitag knapp 500 Menschen an. Auch auf den Inseln in der Ägäis landeten zuletzt mehr und mehr Flüchtende. Am Donnerstag waren es 239, am Freitag 670. Ein Offizier der Küstenwache sagte, viele Menschen würden kommen, weil sie nach der Vereinbarung von Brüssel fürchten, dass sie in der Türkei länger darauf warten müssten, weiterreisen zu dürfen.